Unbundling

Berater: Neue EU-Richtlinie kostet deutsche Energiebranche Millionen

Die Unternehmensberatung Mummert Consulting erwartet große Schwierigkeiten bei der Umsetzung der EU-Vorschrift zur Entflechtung der Energieunternehmen (Unbundling). Es erfordere erheblichen logistischen Aufwand und Mehrkosten, zudem würde der Überblick für Manager erheblich schwieriger.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Hamburg (red) - Die Neuregelung der Energieversorgung durch die Europäische Union (EU) kostet Stadtwerke und Regionalversorger jeweils zwischen drei und zehn Millionen Euro, so die Einschätzung der Unternehmensberatung Mummert Consulting. Der Grund: Die EU verlangt ab Juli 2004 die Trennung von Netz und Vertrieb in Organisation und Information sowie in der Buchhaltung.

Diese Entflechtung - das so genannte Unbundling - erzeuge bei den Energieversorgern erheblichen logistischen Mehraufwand und Mehrkosten. Zudem werde es für die Manager durch die Trennung vormals integrierter Geschäftsbereiche künftig erheblich schwieriger, den Überblick über die Gesamtsituation des Unternehmens zu bewahren. Die Folge: ein Konflikt zwischen vorgeschriebener Entflechtung und notwendiger Unternehmenssteuerung, beschreiben die Berater.

Bisher waren Netz und Vertrieb in einem einzelnen Unternehmen stark integriert. Durch das Unbundling würden für Stadtwerke und Regionalversorger einmalige Mehrkosten von bis zu zehn Millionen Euro pro Unternehmen sowie zusätzliche laufende jährliche Kosten in durchschnittlich sechsstelliger Größe anfallen. Gleichzeitig würde es für die Manager erheblich schwieriger, den organisatorischen Überblick über das Gesamtunternehmen zu behalten. So dürfe beispielsweise der Leiter der Vertriebsgesellschaft zukünftig die Betriebskosten der Netze nicht mehr kennen. Als Folge machen die Unternehmensberater verworrene Zuständigkeiten zwischen den einzelnen Teilgesellschaften aus und sehen massive Probleme bei der Erstellung der Bilanz des Gesamtunternehmens.

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