Status quo

Bei der Rohstoffeffizienz hinkt Deutschland hinterher

Deutschland kommt beim Thema Rohstoffsparen deutlich langsamer voran als angenommen. Das zeigen am Mittwoch in Berlin vorgestellte neueste Berechnungen von Statistischem Bundesamt und Umweltbundesamt. Zudem seien deutsche Umweltprobleme gewissermaßen exportiert worden.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Demnach sank der Rohstoffeinsatz im Inland zwischen 1994 und 2009 um 19,4 Prozent, während die Wirtschaftsleistung gleichzeitig um 18,4 Prozent zulegte. Das ist zunächst eine tendenziell positive Entwicklung, wie der entsprechende Messfaktor belegt: Die sogenannte Rohstoffproduktivität - das Verhältnis von Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu Abbau und Import nicht erneuerbarer Rohstoffe (Erze, Edelmetalle, Sand, Kohle oder Erdöl) sowie Halb- und Fertigwaren in Tonnen - stieg in den 15 Jahren um 46,8 Prozent.

Die Rechnung berücksichtigt den Experten zufolge indes nicht die zur Herstellung von importierten Produkten verbrauchten Rohstoffe. Fehlinterpretationen entstanden folglich dadurch, dass in Deutschland abgebaute Rohstoffe wie Quarzsand für die Herstellung von Gläsern einfach durch den Import von Gläsern ersetzt wurden. Der tatsächliche Rohstoffverbrauch sei damit ins Ausland ausgelagert worden. "Wir haben unsere Umweltprobleme exportiert", beschrieb Bundesumweltamt-Präsident Jochen Flasbarth die Entwicklung.

In Zahlen ausgerückt: Werden die im Ausland für die Herstellung der deutschen Importgüter eingesetzten nicht erneuerbaren Rohstoffe in die Berechnung der Rohstoffproduktivität einbezogen, liegt die Steigerung - bezogen auf die Jahre 2000 bis 2008 - bei lediglich 6,9 Prozent. Die bisherige Rechnung, die diese "Rohstoffrucksäcke" der Importwaren nicht berücksichtigt, kommt für den Zeitraum auf einen Produktivitätszuwachs von 17,1 Prozent.

Den Experten zufolge zeigen die Ergebnisse, dass Deutschland die 2002 gesteckten Ziele in Sachen Rohstoffeffizienz nach derzeitigem Stand nicht erreichen wird. Die rot-grüne Regierung hatte vor acht Jahren die sogenannte nationale Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet, die die Verdopplung der Rohstoffproduktivität bis 2020 bezogen auf 1994 vorsieht.

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