Braunkohlentag

Bedeutung von Kohle steigt durch EU-Erweiterung

Prof. Dr. Kurt Häge, der neue Vorsitzende des Bundesverbands Braunkohle (DEBRIV), hat anlässlich des diesjährigen Braunkohlentags in Köln betont, dass Klimaschutz und Kohleverstromung "keine Gegensätze" seien. Die aktuelle Situation wie auch die Perspektiven in den deutschen Braunkohlerevieren schätzt Häge als "gut und erfreulich" ein.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

"Die Bedeutung des Energieträgers Kohle hat in Europa mit der EU-Erweiterung deutlich zugenommen. Europa ist die drittgrößte Kohle-Verbrauchsregion auf der Welt nach den USA und China. Vor allem für eine sichere, preisgünstige und umweltverträgliche Stromversorgung ist Kohle in Europa unverzichtbar." - Mit diesen Worten beschrieb der neue Vorsitzende des Bundesverbands Braunkohle (DEBRIV), Prof. Dr. Kurt Häge, die Perspektiven der deutschen Braunkohlenindustrie auf dem diesjährigen Braunkohlentag am gestrigen Donnerstag in Köln.

Es sei erfreulich, wie viel Unterstützung die Kohle und vor allem die Braunkohle aus den Regionen, den Braunkohleländern und auch auf Bundesebene erhalte. Selbst in Brüssel gewinne eine "realistische Einschätzung der Kohle an Raum," sagte Häge. Dennoch würden in Deutschland selbst von hochrangigen Entscheidungsträgern Klimaschutz und Kohle immer noch als unvereinbare Gegensätze dargestellt. Der DEBRIV-Vorstandsvorsitzende kritisierte: "Seit Jahren pendelt die Politik zwischen Umweltschutz und Wirtschaft hin und her, ohne die Balance zu finden." Es bestehe die Gefahr, "dass die Nutzung des einzigen subventionsfrei einsetzbaren heimischen Primärenergieträgers Braunkohle angesichts der unsicheren politischen Rahmenbedingungen Schaden nimmt," so Häge.

Zufriedenheit in den Revieren

Die aktuelle Situation, aber auch die Perspektiven in den deutschen Braunkohlerevieren schätzte der DEBRIV-Vorstandsvorsitzende als "gut und erfreulich" ein. Im mitteldeutschen Revier sorgte die gute Auslastung der modernen Kraftwerke Schkopau und Lippendorf im vergangenen Jahr für einen Anstieg der Braunkohlenförderung um rund zehn Prozent auf 22 Millionen Tonnen. In der Lausitz lag die Förderung mit über 57 Millionen Tonnen nur wenig unter dem hervorragenden Ergebnis von 2002. Im Rheinischen Revier erreicht die Förderung eine Höhe von 97,5 Millionen Tonnen. Infolge der hohen Auslastung leistungsfähiger Neubaukraftwerke mit hohen Wirkungsgraden konnte die erzeugte Strommenge leicht auf insgesamt 159 Terawattstunden (TWh) erhöht werden. Braunkohle hat damit einen Anteil von fast 27 Prozent an der gesamten deutschen Stromerzeugung. Häge wies daraufhin, dass trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland der Stromverbrauch seit Jahren leicht ansteigt und auch in Zukunft eher Zuwächse als Rückgänge zu erwarten sind.

"Emissionshandel muss mit Verantwortung gehandhabt werden"

Der ab 2005 geplante EU-weite Handel mit Emissionszertifikaten für Kohlendioxid gibt der Politik nach Ansicht der deutschen Braunkohlenindustrie "ein mächtiges Instrument zur Beeinflussung der Wirtschaft, insbesondere der Energiewirtschaft in die Hand." Die erheblichen Reduktionserfolge von Industrie und Energiewirtschaft in den vergangenen Jahren ermöglichten es jedoch, die Klimaschutzziele durch betriebswirtschaftlich sinnvolle Erneuerungen und Modernisierungen zu erreichen und auf restriktive Maßnahmen zu verzichten. Die Festlegung auf bedarfsgerechte Emissionszuteilungen über mehrere Handelsperioden sichere den Anlagenbetreibern Planungs- und Investitionssicherheit. Dies gilt nach Ansicht der Braunkohlenindustrie auch für den Neubau besonders emissionsarmer Anlagen. Optimierungsbedarf mahnte der DEBRIV-Vorstandsvorsitzende allerdings noch wegen der unterschiedlichen Behandlung von Ersatzanlagen, Neuanlagen ohne Vorgängeranlagen und Neuanlagen, die nach 1990 errichtet wurden, an. Außerdem werfe die kontraproduktive Malusregelung sowie die nicht an der Leistungsfähigkeit von Technik orientierte brennstoffunspezifische Benchmark noch Fragen auf.

Der DEBRIV schlägt vor, die erste Handelsperiode als Testphase einzustufen und das System des Emissionshandels, für dessen konkrete Handhabung noch keinerlei Erfahrungen vorliegen, reform- und optimierungsfähig zu halten.

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