Kritik

BDI warnt vor Belastung durch Versteigerung von Emissionsrechten

Die deutsche Industrie warnt vor milliardenschweren Belastungen und dem Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland durch den Handel mit Klimagaszertifikaten. Die Versteigerung der Emissionsrechte ab 2013 würden deutsche Industrieunternehmen stark und über Gebühr belasten.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Das sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). Die zusätzlichen Kosten beliefen sich auf insgesamt etwa 6,5 Milliarden Euro pro Jahr bei einem geschätzten Zertifikatspreis von 35 Euro pro Tonne Kohlendioxid.

Der BDI habe dafür die Belastungen für einzelne Branchen untersucht, sagte Schnappauf. Die chemische Industrie in Deutschland habe direkte und indirekte zusätzliche Kosten von mindestens einer Milliarde Euro pro Jahr allein für 2013 abgeschätzt, die auf nahezu zwei Milliarden pro Jahr im Jahr 2020 anwachsen könnten. Die deutsche Stahlindustrie müsse sogar direkte Kosten von etwa 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2020 schultern. Besonders schwer treffe es die Papierindustrie. Für sie läge die Belastung bei rund 350 Millionen Euro pro Jahr. Dem hätten 2007 aber nur Gewinne in Höhe von etwa 75 Millionen Euro gegenüber gestanden.

Schnappauf sagte: "Außerhalb der Europäischen Union fallen diese Kosten nicht an. Dadurch gehen hier viele Arbeitsplätze verloren." Die europäischen Industrieunternehmen würden zweimal zur Kasse gebeten würden. "Einmal, weil ihnen Kosten entstehen, um den Treibhausgasausstoß wie vorgesehen zu reduzieren. Und dann noch ein zweites Mal, um die Zertifikate zu ersteigern", sagte Schnappauf. Stattdessen sollten die Zertifikate auf Basis von Vergleichswerten bis zu einer festgelegten Grenze kostenfrei zugeteilt werden. "Alles, was darüber hinausgeht, kann weiter wie geplant versteigert und gehandelt werden. An der angestrebten Verringerung der Emissionen ändert sich dadurch nichts", sagte Schnappauf.

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