Katastrophenschutz

Bayrische Grüne sehen Versorgungslücken bei Atomunfällen

Ärger im bayrischen Landtag: Die Grünen kritisierten, dass die Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung im Ernstfall nicht gewährleistet sei. Innenstaatssekretär Georg Schmid (CSU) warf den Landtags-Grünen daraufhin ein "irreführendes und verantwortungsloses Spiel" mit den Ängsten der Bevölkerung vor.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

München (ddp-bay/sm) - Mögliche Lücken im Katastrophenschutz bei Atomunfällen in Bayern haben am Freitag eine heftige Debatte zwischen Staatsregierung und Grünen ausgelöst. Die Oppositionspartei kritisierte, dass die Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung im Ernstfall nicht gewährleistet sei und berief sich dabei auf die Antwort auf eine schriftliche Anfrage beim Münchner Innenministerium. Innenstaatssekretär Georg Schmid (CSU) warf den Landtags-Grünen daraufhin ein "irreführendes und verantwortungsloses Spiel" mit den Ängsten der Bevölkerung vor.

Jodtabletten müssen bei einem Atomunfall zum Schutz vor radioaktivem Jod eingenommen werden. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern und Österreich werden diese Tabletten in Bayern nicht präventiv an alle Haushalte im Umfeld eines Atomkraftwerks ausgegeben, sondern sollen erst nach dem atomaren Unfall über die örtlichen Feuerwehren an die Apotheken verteilt werden. Dort sollen die Bürger dann ihre Ration abholen.

Allerdings funktioniere diese Verteilungskette derzeit noch nicht, da noch nicht alle betroffenen Apotheken über ihre Rolle als Anlaufstelle im Ernstfall Bescheid wissen, räumte das Innenministerium in seiner Antwort auf die Anfrage der Grünen ein. Die Planungen seien noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Grünen forderten die Staatsregierung daher auf, diese "fatale Lücke im Katastrophenschutz umgehend zu schließen". Zumindest an Schulen und Kindertagesstätten müsse einen Vorrat an Jodtabletten anlegt werden: "Es ist doch völlig wirklichkeitsfremd anzunehmen, dass Schüler im atomaren Ernstfall geordnet zur nächsten Apotheke marschieren", sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Christine Kamm.

Schmid wies die Kritik hingegen zurück. Im Ernstfall würden "selbstverständlich" auch Schüler rechtzeitig versorgt. Auch sei die Versorgung der Bevölkerung im Umfeld von Atomkraftwerken gesichert. Er betonte, mit der Verteilung über die Feuerwehren und Apotheken könne die Empfehlung der Strahlenschutzkommission "problemlos" umgesetzt. Diese sehe eine Verteilung innerhalb von zwölf Stunden vor.

Von Ullrich Meyer und Joachim Vonderthann

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