Baubeginn: In Marbach entsteht eines der größten Brennstoffzellen-Kraftwerke Europas

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
"Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG beteiligt sich aktiv an allen zukunftsträchtigen Entwicklungen der Energietechnik." Dies erklärte EnBW Vorstandsmitglied Dr. Klaus Kasper heute anlässlich des Beginns der Vorarbeiten für den Bau des nach Unternehmensangaben größten Brennstoffzellen-Kraftwerks Europas in Marbach. Auf dem dortigen EnBW Kraftwerksgelände - in unmittelbarer Nachbarschaft der von Würth und EnBW gemeinsam getragenen Solarzellenfabrik - entsteht im Rahmen eines amerikanisch-europäischen Demonstrationsprojekts eine ein Megawatt leistende Brennstoffzellenanlage (1 MW SOFC-Projekt) - groß genug, um eine Gemeinde mit 2000 Einwohnern mit Strom zu versorgen. Die etwa 50 Millionen Mark teure Marbacher Brennstoffzelle wird - voraussichtlich von 2002 an - Energie für die im künftigen Energie- und Technologiepark Marbach angesiedelten Unternehmen, auch für die Würth/EnBW Solarfabrik, liefern.


EnBW Vorstandsmitglied Dr. Kasper, aber auch der Vertreter des an dem 1 MW SOFC-Projekt beteiligten Partnerunternehmens Siemens AG, Dr. Klaus Hassmann, äußerten die Überzeugung, dass "die Brennstoffzellentechnik noch in diesem Jahrzehnt das Stadium der Demonstrationsanlagen verlassen und im nächsten Jahrzehnt bereits einen relevanten Beitrag zur Sicherstellung einer zuverlässigen und klimaschonenden Energieerzeugung leisten wird." Es sei möglich, dass schon von 2004/2005 an Brennstoffzellen mit Leistungen von bis zu zehn Megawatt in Serie gebaut und zur dezentralen Stromerzeugung eingesetzt werden können: "Unser Marbacher Projekt wird dafür eine wichtige Rolle als Erprobungsanlage und Wegbereiter übernehmen." Schätzungen, welchen Anteil der Stromerzeugung künftig Brennstoffzellen übernehmen könnten, hält Dr. Kasper aber für "verfrüht und rein spekulativ."


Die Vorarbeiten für den Bau der Marbacher Groß-Brennstoffzelle werden nun intensiviert, nachdem alle Partner des Projekts inzwischen auch vertraglich im sind. Die Federführung des Projekt-Konsortiums haben die EnBW und die Electricité de France (EDF) übernommen. Weitere Konsortialpartner sind die Energieunternehmen Gaz de France (GDF) und Tiroler Wasserkraftwerke AG (TIWAG) sowie - auf der Herstellerseite - Siemens Westinghouse, USA, und Siemens, Deutschland. Finanziell unterstützt wird das Projekt mit Mitteln der Europäischen Kommission und des Department of Energy, USA. Das 1 MW SOFC-Projekt ist Bestandteil eines bilateralen Abkommens zwischen den USA und der EU zur Förderung gemeinsamer Aktivitäten in der Forschung, Entwicklung und Demonstration von neuen Energie-Technologien. Ziel des Projekts ist das Sammeln und Auswerten von Erfahrungen mit "Solid Oxide Fuel Cell-Anlagen (SOFC oder Festkeramik-Brennstoffzellen genannt) - zur Vorbereitung eines erfolgreichen Markteintritts dieser Technik. Die SOFC gehört zur Gruppe der Hochtemperatur-Brennstoffzellen, bei denen durch einen sogenannten "internen Reformierungsprozess" Erdgas in ein wasserstoffreiches Gas umgewandelt wird, das als Brennstoff für die eigentliche elektrochemische Reaktion benötigt wird. Hochtemperatur-Brennstoffzellen stellen relativ geringe Ansprüche an die Brennstoffqualität und sind gegenüber Brennstoffverunreinigungen wesentlich unempfindlicher als Niedertemperatur-Brennstoffzellen, wie sie zum Beispiel für den Antrieb von Kraftfahrzeugen entwickelt werden. Darüber hinaus können preiswertere Materialien für die Katalysatoren des Reformierungsprozesses und die Elektroden der Einzelzellen eingesetzt werden.


Neben diesen bereits in naher Zukunft nutzbaren Vorteilen der Brennstoffzellentechnik auf Basis von Erdgas bietet sich langfristig die Perspektive, Brennstoffzellen mit z. B. aus regenerativen Energien erzeugtem Wasserstoff zu betreiben. Bis dahin müssen allerdings die Probleme des Aufbaus einer Wasserstoffwirtschaft mit entsprechenden Verfügbarkeiten und Preisen für Wasserstoff noch gelöst werden.

Das könnte Sie auch interessieren
Top