Kritik von Gegnern

Bau des umstrittenen Mainzer Kohlekraftwerks hat begonnen

Der Bau des Mainzer Kohlekraftwerks hat am Dienstag begonnen. Wie der Sprecher des Betreiberunternehmens Kraftwerke Mainz Wiesbaden (KMW), Michael Theurer, sagte, sind "auf dem Baufeld die Bauarbeiter und Bagger am Zug". Kraftwerksgegner kritisierten den schnellen Baubeginn mit Blick auf anstehende Klagen als finanziell riskant.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Mainz (ddp-rps/red) - Theurer nannte den Baustart einen "Meilenstein" für das Projekt. Zunächst solle die Baustelle eingerichtet und der Kamin für das Kohleheizkraftwerk gebaut werden. In Kürze sollen dann die Arbeiten für die Kohleverladung beginnen. Die weiteren Arbeiten sollen über zusätzliche Teilgenehmigungen realisiert werden. Diese seien bereits in Vorbereitung, sagte Theurer. Hierbei gehe es zunächst um Pfahlarbeiten, dann um die Hochbauten und technischen Anlagen.

Baubeginn trotz Klagen

Die Kraftwerksgegner kritisierten, dass die KMW mit dem Bau begonnen habe, obwohl die Städte Mainz und Wiesbaden gegen die Teilgenehmigungen zu klagen planten. Der erste Vorsitzende des Bündnisses für eine kohlekraftwerksfreie Region, Marc Legg, sagte, sollten die bisher erteilten Genehmigungen sich vor Gericht als rechtswidrig erweisen, müssten alle Bauten wieder abgerissen werden. Der drohende Schaden wäre immens.

Vorbescheid erteilt - Widersprüche aufgeschoben

Der Baustart war durch einen vor zwei Wochen erteilten Vorbescheid der Struktur- und Genehmigungsbehörde Süd (SGD) möglich geworden. Die Behörde hatte die Anträge der KMW auf Sofortvollzug des immissionsschutzrechtlichen Vorbescheids sowie der wasserrechtlichen Erlaubnisse positiv beschieden. Sie begründete die Teilgenehmigungen mit dem privaten Interesse des Antragstellers sowie dem öffentlichen Interesse an der Energieversorgung und dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Damit hatten die Widersprüche der Kraftwerksgegner ihre aufschiebende Wirkung verloren. Die Städte Wiesbaden und Mainz hatten daraufhin angekündigt, gegen den genehmigten Sofortvollzug klagen zu wollen.

Das von der KMW auf der Ingelheimer Auge zwischen Mainz und Wiesbaden geplante Kohleheizkraftwerk mit einer Leistung von 820 Megawatt Strom soll 2013/14 in Betrieb gehen und das bestehende Gas- und Dampfturbinenkraftwerk ablösen. Der Baukosten werden auf rund eine Milliarde Euro beziffert. Gegen das Projekt gibt es massiven Widerstand in der Bevölkerung.

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