Feierstunde

Bau der Ostseepipeline offiziell gestartet

Mit einem Festakt ist am Freitag bei Wyborg in Russland der offizielle Start für den Bau der deutsch-russischen Ostseepipeline gefeiert worden. Vor rund 200 geladenen Gästen würdigte Russlands Präsident Medwedew das Gemeinschaftsprojekt als Zeichen einer neuen Qualität der Beziehungen zwischen Westeuropa und Russland.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Wyborg/Gotland (ddp/red) - Die Pipeline werde eine verlässliche Verbindung zwischen beiden Partnern sein, betonte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte dem Betreiberkonsortium Nord Stream in einer Videobotschaft viel Erfolg. Aus ihrer Sicht profitierten sowohl Europa als auch Russland von der neuen Trasse. Europa erhalte künftig mehr Versorgungssicherheit und Russland verlässliche Abnehmer.

Auch der Vorsitzende des Aktionärsausschusses von Nord Stream, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), würdigte die energiepolitische Bedeutung des rund 7,4 Milliarden Euro teuren Projekts. Die Gaspipeline werde einen zentralen Beitrag dafür leisten, dass Europa einen direkten Zugang zu den gewaltigen russischen Energieressourcen erhalte, sagte er.

Ende 2011 würden zum ersten Mal die sibirischen Erdgasfelder direkt und nicht wie bisher über Transitländer mit den Märkten in Westeuropa verbunden, sagte der Vorstandschef der BASF-Tochter Wintershall, Rainer Seele. Er verwies darauf, dass sich inzwischen Deutschland, Dänemark, Frankreich und Großbritannien bedeutende Mengen des Gasvolumens vertraglich gesichert hätten, das über den ersten von künftig zwei Trassensträngen nach Lubmin fließen werde.

Nach Angaben von Nord Stream wurden seit Wochenbeginn bereits drei Kilometer Trasse verlegt. Vor der Küste der schwedischen Insel Gotland habe die Besatzung des Verlegeschiffs "Castoro 6" inzwischen etwa 250 Rohrsegmente miteinander verschweißt und auf den Meeresgrund abgesenkt, sagte Projektdirektor Henning Kothe.

Insgesamt sollen bis zum Jahre 2012 zwei jeweils 1220 Kilometer lange Leitungsstränge von Wyborg durch die Ostsee nach Lubmin bei Greifswald verlegt werden. Nach Angaben von Nord Stream kommen dafür drei Verlege- und zahlreiche Zulieferschiffe zum Einsatz. In den deutschen Küstengewässern soll im Juni das etwas kleinere Verlegeschiff "Castoro 10" operieren. Im Greifswalder Bodden und in der Zwölf-Meilen-Zone werden 47 Kilometer Rohrtrasse in Unterwassergräben verlegt.

Für die Verlegung der aus rund 200.000 Rohrsegmenten entstehenden Ostseepipeline investierte Nord Stream bereits rund 650 Millionen Euro in die Logistik-Infrastrukur in fünf deutschen, schwedischen und finnischen Ostseehäfen, darunter in Mukran auf Rügen.

Unterdessen kündigte der französische Versorger GDF Suez seinen Einstieg in die Nord Stream AG an. Nach Angaben von GDF-Chef Gerard Mestrallet will der Konzern neun Prozent der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen erwerben. Gegenwärtig halten der russische Energiekonzern Gazprom 51 Prozent, die deutsche E.ON-Tochter Ruhrgas und die Wintershall jeweils 20 Prozent sowie der niederländische Versorger Nederlandse Gasunie 9 Prozent. Es wird erwartet, dass E.ON und BASF ihre Anteile auf 15,5 Prozent reduzieren, damit GDF Suez eine neunprozentige Beteiligung erwerben kann.

Die Ostseepipeline soll nach ihrer Fertigstellung im Jahre 2012 jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Lubmin transportieren. Das entspricht einer Menge, um etwa 52 Millionen europäische Haushalte zu versorgen.

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