Ausgesuchte Persönlichkeiten

Bahn-Chef Mehdorn in den Beirat der EnBW berufen

Die EnBW hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn in ihren Beirat einberufen. Mit Mehdorn, so EnBW-Vorstandsvorsitzender Prof. Claassen, habe man einen ausgewiesenen Energiefachmann für die EnBW gewonnen. Dem EnBW-Beirat gehören Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik an.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Karlsruhe (red) - Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG hat den Vorsitzenden des Vorstands der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, in ihren Beirat berufen. "Wir freuen uns, mit Hartmut Mehdorn nicht nur den Vorstandsvorsitzenden eines der europaweit energieintensivsten Unternehmen, sondern auch einen ausgewiesenen Energiefachmann für die EnBW gewonnen zu haben. Von seinen Erfahrungen wird die EnBW profitieren", so Prof. Dr. Utz Claassen, Vorstandsvorsitzender der EnBW. Zur Versorgung ihres elektrischen Zugbetriebs unterhält die Deutsche Bahn selbst ein 7600 Kilometer langes Hochspannungsnetz sowie zahlreiche Kraft-, Umformer- und Umrichterwerke. Dem Beirat der EnBW gehören ausgesuchte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik an.

Vor dem Hintergrund der Berufung in den EnBW-Beirat haben Prof. Dr. Utz Claassen und Hartmut Mehdorn auch verschiedene Fragen der Energiewirtschaft und des Netzbetriebs diskutiert. Dabei waren sich beide Unternehmens-Chefs einig, dass ein in die Wertschöpfungskette integrierter Netzbetrieb - ähnlich wie in der Energiewirtschaft - auch bei der Deutschen Bahn Voraussetzung für eine verlässliche Infrastrukturdienstleistung sei. In diesem Zusammenhang äußerte Claassen auch Unverständnis darüber, dass der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert, dass das Schienennetz vom Bahnkonzern abgetrennt und komplett in Staatshand bleiben solle.

Claassen sagte, dass das englische Modell der Trennung von Netz und Betrieb zu gravierenden Problemen geführt habe und beurteilte deshalb die Beibehaltung des integrierten Konzerns Deutsche Bahn positiv, zumal dieser Voraussetzung für einen erfolgreichen Börsengang sei. Für den EnBW-Chef ist die Haltung des BDI erklärungsbedürftig. "Weshalb glauben eigentlich der Marktwirtschaft verpflichtete Wirtschaftsverbände, der Staat könne ein großes Infrastrukturunternehmen erfolgreicher führen und vor allem auch mit mehr Kapital versorgen, als eine börsennotierte Gesellschaft, die Zugang zum Kapitalmarkt hat?", fragte Claassen. Wer zudem Mitbestimmung im Aufsichtsrat als "Irrtum der Geschichte" bezeichne, müsse sich fragen lassen, ob man denn einen Rückfall in die Kaiserzeit wolle und wie notwendige einschneidende Reformen ohne Mitwirkung der Arbeitnehmer konsensual gestaltet werden sollen, so der EnBW-Chef weiter.

Claassen und Mehdorn waren sich einig darin, dass die Erfolge der Deutschen Bahn seit der Bahnreform auch der integrierten Struktur des Unternehmens mit zu verdanken seien, weil man damit Anforderungen an das Gesamtsystem Rad/Schiene gerecht geworden sei. Mehdorn betonte noch einmal die Notwendigkeit des Zugangs zum Kapitalmarkt für die Bahn, wenn dieser Weg gerade auch angesichts knapper öffentlicher Finanzen erfolgreich fortgesetzt werden solle.

Zur grundsätzlichen Frage der Netzregulierung - gleich ob im Transportbereich oder in der Energiewirtschaft - erklärte Claassen, dass marktwirtschaftliche Elemente und positive Leistungsanreize grundsätzlich der richtige Weg seien. Staatliche Eingriffe in Abläufe und Strukturen seien hingegen weitest möglich zu vermeiden. "Marktwirtschaftlich geprägte Leistungsfähigkeit muss Vorrang haben vor planwirtschaftlichen Lenkungsmechanismen", so Claassen. Mehdorn warnte zudem vor einer möglichen Überregulierung auf nationaler und europäischer Ebene.

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