EDF rausgekauft

Baden-Württemberg übernimmt wieder komplette Kontrolle bei EnBW

Die seit einem Jahrzehnt geplante Übernahme von EnBW durch den französischen Konkurrenten EDF ist gescheitert. Baden-Württemberg kaufte EDF seinen 45-Prozent-Anteil an EnBW für 4,7 Milliarden Euro ab. Damit halten Land und Kommunen so gut wie alle Anteile an dem Konzern, der bald in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufrücken soll.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Stuttgart/Paris (afp/red) - Zu Beginn des Jahrtausends war der Staatskonzern EDF bei EnBW eingestiegen. Nach und nach steigerte der französische Versorger seinen Anteil auf 45 Prozent, die Mehrheit blieb aber in der Hand baden-württembergischer Kommunen. EDF hatte aber stets das Ziel ausgegeben, die Mehrheit zu übernehmen und so in Deutschland zu expandieren. EDF schaffte es nie, diese Mehrheit zu erlangen.

Die Verhandlungen mit den kommunalen Eignern hätten "es schwierig erscheinen lassen, die Mehrheit zu übernehmen", sagte EDF-Chef Henri Proglio bei einer Telefonkonferenz in Paris zur Begründung des Ausstiegs. Zudem gebe es in Deutschland Überkapazitäten bei der Stromversorgung, was auf die Preise drücke. Auch die geplante Brennelementesteuer werde sich auf EnBW auswirken.

Land will EnBW an die Börse bringen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) lobte das Geschäft dagegen als risikolos. Den Steuerzahler werde der Deal nichts kosten, sagte er. Baden-Württemberg rechne mit einem Plus für die Staatskasse. Die Kreditzinsen für den Kauf seien so niedrig, dass sie aus den von EnBW erzielten Gewinnen bedient werden könnten. Ob Baden-Württemberg den Konzern aber zu dem Preis an die Börse bringen kann, zu dem er die Aktien nun kauft, ist ungewiss.

Experten warnen, dass EnBW stark von den Einnahmen aus Atomstrom und seinem Leitungsnetz abhängig sei. Bei beiden Bereichen ist die Zukunft sehr ungewiss. Wie aus Kreisen der Landesregierung verlautete, wollte Baden-Württemberg mit dem Kauf auch einem Einstieg anderer privater Investoren zuvorkommen. Es habe bereits erste Indizien gegeben, dass es andere Interessenten gebe.

Der Konzern solle großteils oder komplett an die Börse gebracht und vierter baden-württembergischer Dax-Konzern neben Daimler, HeidelCement und SAP werden, teilte die Landesregierung mit. Bisher wurden noch zu wenige EnBW-Aktien frei gehandelt, um in die erste Börsenliga aufzusteigen. EnBW ist der drittgrößte Stromversorger nach E.ON und RWE. Das Unternehmen hat sechs Millionen Kunden und machte zuletzt einen Umsatz von über 15 Milliarden Euro.

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