Großkraftwerke trotzdem nötig

Baden-Württemberg: Jede siebte Kilowattstunde aus Erneuerbaren

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung in Baden-Württemberg ist im vergangenen Jahr auf von 12 auf 13 Prozent gestiegen. Beim Primärenergievebrauch ist der Anteil der Ökoenergien auf 7,6 Prozent gestiegen. Damit seien die ursprünglich für 2010 gesetzten Ziele bereits jetzt erreicht worden.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (red) - "Fast jede siebte Kilowattstunde Strom wird zwischenzeitlich aus weitgehend klimaneutraler Wasserkraft, Bioenergien, Windkraft oder Sonnenenergie erzeugt“, hob Ministerpräsident Günther Oettinger vor, der gemeinsam mit Wirtschaftminister Ernst Pfister und Umweltministerin Tanja Gönner diese Woche die neuesten Zahlen zur Energieerzeugung vorstellte.

Größte Zuwächse bei Bio- und Solarenergie

Die größten Zuwächse habe es im vergangenen Jahr mit über 50 Prozent bei Biogas und der Photovoltaik gegeben. Allerdings decke die Photovoltaik nur 1,0 Prozent der Stromerzeugung im Land. "Der dennoch hohe Zuwachs bei der Photovoltaik beschleunigt die technische Weiterentwicklung", erläuterte Umweltministerin Gönner. Langfristig große Hoffnung werde außerdem in die Tiefengeothermie gesetzt. Ein erstes Geothermiekraftwerk in Bruchsal soll nächstes Jahr in Betrieb gehen.

Kein Ersatz für Kohle, Gas und Atomkraft

Die erfreuliche Entwicklung bei den alternativen Energien dürfe allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass Baden-Württemberg auch künftig auf einen breiten Energiemix angewiesen sei, betonte Ministerpräsident Oettinger. Auf absehbare Zeit würden Erneuerbare "weder Kohle- und Gaskraftwerke noch die Kernenergie vollständig ersetzen können".

Zur Erhaltung der Versorgungssicherheit und der Stabilität der Stromnetze benötige das Land mindestens fünf Großkraftwerke. Daher spricht sich Oettinger erneut für Rücknahme der Laufzeitverkürzung der vier Kernkraftwerke im Land aus. "Wir wollen, dass mit den Kraftwerksbetreibern verhandelt wird, dass sichere Anlagen weiterlaufen können, wenn mindestens die Hälfte der zusätzlichen Gewinne in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert wird", erläuterten Oettinger und Pfister.

Sorge aufgrund wachsender Widerstände gegenüber neuen Anlagen

Mit Sorge betrachte man jedoch die wachsenden Widerstände der Bevölkerung bei der Planung neuer Anlagen. Dies treffe nicht nur auf große Kraftwerke sowie Strom- und Gasleitungen zu, sondern mache auch vor erneuerbaren Energien nicht Halt. So seien auf der örtlichen Ebene selbst Planungen für neue Biogasanlagen zunehmend häufig umstritten. Selbstverständlich müsse bei solchen Vorhaben die Öffentlichkeit beteiligt werden, "wenn am Ende aber der Standpunkt steht: Wir wollen das alles nicht, der Strom kommt doch aus der Steckdose - dann ist das allerdings verantwortungslos", sagte Pfister.

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