Studie

Autarke Energieversorgung für Gemeinden nur selten sinnvoll

Die lokale Eigenversorgung mit Strom als Insel ohne Anschluss an das Stromnetz - das klingt nach einem tollen Ausweg, ist für Städte und Gemeinden laut einer neuen Studie aber nur in Einzelfällen möglich. Insbesondere der Strombedarf für Industrie und Gewerbe lasse sich mit diesem Konzept nicht decken.

Erneuerbare Energie© Thaut Images / Fotolia.com

Dessau-Roßlau (red) - Zu diesem Ergebnis kommt das Umweltbundesamt (UBA) in einer neuen Studie. Dabei wurde in einem externen Gutachten für das Jahr 2050 die technisch-ökologische Machbarkeit einer Energieversorgung untersucht, in welcher der Strom innerhalb von kleinräumigen, dezentralen Strukturen wie Städten, Stadtteilen oder Gemeinden jeweils autark produziert wird. Diese Gebiete sind dabei weder untereinander noch nach außen hin über Stromleitungen vernetzt. Zur Deckung des jeweiligen Strombedarfs werden also ausschließlich die vor Ort vorhandenen Potenziale der erneuerbaren Energien genutzt, was mit der Notwendigkeit von Elektrizitätsspeichern einhergeht.

Lokale Autarkie brauche günstige Bedingungen

UBA-Präsident Jochen Flasbarth: "Die Studie zeigt, dass sich diese Form der lokalen Autarkie in Einzelfällen unter günstigen Bedingungen zwar umsetzen lässt und dabei die lokale Erzeugung einen beachtlichen Anteil zu einer auf erneuerbaren Energien basierenden Energieversorgung beitragen kann. Für eine tragfähige regenerative Energieversorgung ganz Deutschlands eignet sich dieses Konzept aber nicht. Städte und Gemeinden können mit dezentraler Energieerzeugung zu maßgeblichen Akteuren der Energiewende werden. Die Einbindung lokaler Erzeugungsstrukturen in ein übergeordnetes Netz ist aber für ein effizientes, vollständig auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem in Deutschland unerlässlich."

Die Simulationsergebnisse zeigen, dass sich der Strombedarf von Haushalten und für private Elektroautos in ländlichen Siedlungsstrukturen im Rahmen einer autarken Versorgung decken lässt und zwar aus den vor Ort angenommenen Potenzialen für Photovoltaik und Windenergie. Um die dann vor Ort produzierte Energie auch komplett nutzen zu können und etwa längere Windflauten zu überbrücken, bedürfe es allerdings sehr großer Energiespeicher. In Süddeutschland muss dafür sowohl bezüglich der installierten Erzeugungs- als auch der Speicherleistung ein höherer Aufwand betrieben werden als in Norddeutschland.

Insbesondere die Industrie wird zum Problemfaktor

In der urbanen Siedlungsstruktur könne eine autarke Versorgung unter den getroffenen Annahmen in keinem Fall dargestellt werden. In weiteren Simulationsrechnungen wurde, zusätzlich zu den privaten Verbrauchern, auch der Strombedarf von Industrie, Handel und Gewerbe modelliert und in die Betrachtungen mit einbezogen. Wenn der Strombedarf all dieser Verbraucher gedeckt werden soll, dann lasse sich eine autarke Stromversorgung auch in ländlichen Siedlungen nicht mehr umsetzen, so die Erkenntnis der Studie.

Somit zeige sich, dass das Konzept der lokalen Autarkie langfristig betrachtet in Einzelfällen, unter günstigen Bedingungen (etwa, wenn vor Ort Strom aus geothermischen Quellen oder Wasserkraft gewonnen werden kann) umgesetzt werden könnte. Dies könne etwa an netzfernen Standorten wie entlegenen Ortschaften oder Inseln sinnvoll sein, bedeute aber keinen Ansatz für eine tragfähige regenerative Energieversorgung für ganz Deutschland, unter anderem wegen der Speicherproblematik. Gleichwohl könne die lokale Erzeugung einen beachtlichen Anteil zu einer auf erneuerbaren Energien basierenden Energieversorgung beitragen.

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