Proteste

Ausschreitungen vor Atommüll-Endlager in Morsleben

Bei Protesten von Atomkraftgegnern vor dem Atommüll-Endlager in Morsleben ist es am Donnerstag zu Ausschreitungen gekommen. Nach Polizeiangaben hatten mehrere Dutzend Demonstranten versucht, zwei Tore zum Gelände des Lagers gewaltsam zu öffnen. Die Polizei ging mit Pfefferspray und Hunden gegen die Demonstranten vor.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Morsleben (ddp/red) - Die Stimmung vor dem Eingang zum Atommülllager in Morsleben ist am Donnerstagmorgen aufgeheizt. Mehrere Dutzend Atomkraftgegner sind in den äußeren Sicherheitsbereich des Lagers eingedrungen, rütteln an einem Sicherheitstor und skandieren Parolen gegen die Polizei. Hinter dem Zaun schwer gepanzerte Beamte mit Hunden in Stellung gegangen. Die Situation eskaliert, als Böller über den Zaun fliegen und Polizisten Pfefferspray gegen die Demonstranten einsetzen. Von welcher Seite die erste Provokation ausgegangen ist, lässt sich nicht sagen.

Demonstranten dringen in Sicherheitsbereich ein

Kurz vor dem geplanten Beginn der Kundgebung haben Demonstranten nach Angaben der Polizei einen Zaun zum Lagergelände gewaltsam geöffnet und waren so in den Sicherheitsbereich des Atommülllagers gelangt. Die Organisatoren bestreiten dies nicht, sehen die Verantwortung für die Eskalation aber bei der Polizei, die "unverhältnismäßig reagiert" habe, wie Gerhard Harder von der Umweltinitiative Lüchow-Dannenberg sagt, der den Treck mit organisiert hat.

Die Lage vor dem Tor spitzt sich zu, als ein privater Sicherheitsdienst zur Unterstützung der zunächst 24 Beamten vor Ort herbeieilt. Demonstranten schlagen den Außenspiegel eines Fahrzeugs ab und versuchen, einem der Beamten eine Videokamera zu entreißen. Darauf hin kommt es zu einem Handgemenge. Die Polizei reagiert mit der Räumung des Bereichs unmittelbar vor dem Tor.

Günter Demmer, 66-jähriger Rentner aus München, ist extra für den Protestzug angereist. Er nennt die Aktionen einiger gewaltbereiter Demonstranten "völlig kontraproduktiv". Allerdings kritisierte er auch den Polizeieinsatz. "Ich halte die Beamten für überfordert."

Eigentlich fröhliche Stimmung gewollt

Erst gegen 11.40 Uhr setzt sich der drei bis vier Kilometer lange Protestzug mit mehreren Hundert Teilnehmern wieder in Bewegung. Ursprünglich war auf dem Weg zur Großdemonstration in Berlin am Samstag für 13.30 Uhr bereits die nächste Kundgebung in Madgeburg geplant. Gerhard Harder von der Umweltinitiative schaut ein wenig betreten auf die vorbei rollenden Traktoren: "Das alles ist so überhaupt nicht geplant gewesen", sagt er. "Wir wollen eigentlich fröhliche Stimmung erzeugen."

Morsleben war das Atommüll-Endlager der DDR. Mit der deutschen Einheit ging es 1990 in den Besitz des Bundes über. In dem Salzstock lagern rund 400 000 Kubikmeter schwach und mittelradioaktiver Atommüll. 1998 verhängte das Oberverwaltungsgericht Magdeburg einen Einlagerungsstopp. Derzeit läuft das Verfahren zur endgültigen Stilllegung.

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