Aus und vorbei: Zweitausend Stromvertrieb wird am Donnerstag Insolvenz beantragen

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
"Wir haben wirklich alles versucht, aber jetzt müssen wir uns geschlagen geben", zeigt sich Rainer Diesselhorst, Geschäftsführer des Zweitausend Stromvertrieb aus Porta Westfalica enttäuscht und traurig. Er wird am Donnerstag Konkurs anmelden. Damit streicht der letzte freie Stromanbieter die Segel, der bis zuletzt noch eine wahre preisliche Alternative zum Regionalversorger geboten hat.


Dass der Stromlieferant VEAG am 1. März die Stromlieferung eingestellt hat (das strom magazin berichtete, bitte lesen Sie hier), war allerdings nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. "Im Prinzip beantragen wir Konkurs mit vollen Kassen", erklärt Diesselhorst entmutigt. Denn würden die zwei Unternehmen, die vom Zweitausend Stromvertrieb mit Strom beliefert wurden, diesen aber nach Angaben von ZS nicht bezahlt haben, ihre Außenstände begleichen, wären die Kassen bei ZS nicht so leer. Das sind sie derzeit allerdings, denn heute konnte eine Rechnung für die Stromdurchleitung bei einem norddeutschen Stromversorger nicht mehr bezahlt werden. "Wir haben um Zahlungsaufschub gebeten, da wir noch ein bisschen Zeit für die Verhandlungen mit neuen Geldgebern brauchen. Diesen hat man uns nicht gewährt und stattdessen gedroht, ein Insolvenzverfahren gegen uns einzuleiten", zieht Diesselhorst bitter Bilanz der letzten Tage. Seine Konsequenz: "Ich werde mich nicht strafbar machen, deshalb werden wir am Donnerstag Konkurs anmelden."


Alle ZS-Kunden werden heute oder in den nächsten Tagen ein Schreiben von der DSA Deutsche Strom AG bekommen. Der Hamburger Stromversorger wird nach Aussage Diesselhorst's anbieten, die Kunden zunächst zu den gleichen Konditionen mit Strom zu versorgen. "Das war das einzige, was wir für unsere Kunden noch tun konnten", sagt Diesselhorst. Vermutlich ebenso schnell wird der Regionalversorger reagieren und auch einen neuen Vertrag schicken - welchen die Kunden letztendlich unterschreiben, bleibt ihnen überlassen. Es wäre ihnen nicht zu verdenken, wenn sie die einfachere Variante wählen und zum Regionalversorger zurückkehren. Zumal die Preisschere ohnehin nicht mehr so groß ist. So hat es der "liberalisierte" Markt geschafft, auch noch seine wenigen Wechselwilligen zu vergraulen. Schade!

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