Rege Bürgerbeteiligung

Augsburger Ökostrom-Beteiligungen gingen weg wie warme Semmeln

Die Augsburger Stadtwerke hatten ihren Kunden angeboten, sich im Rahmen eines Investitionsmodells an verschiedenen Ökostrom-Projekten zu beteiligen. Mit dem Beteiligungsboom, der damit ausgelöst wurde, hatte keiner der Verantwortlichen gerechnet: Innerhalb von vier Wochen konnten die Stadtwerke über zehn Millionen Euro für grüne Energie sammeln.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Augsburg (dapd/red) - Da hat es selbst den Verantwortlichen bei den Augsburger Stadtwerken (SWA) fast die Sprache verschlagen: Sie hatten ihren Kunden angeboten, sich im Rahmen eines Investitionsmodells an mehreren Projekten rund um das Thema Ökostrom zu beteiligen - und damit einen nicht für möglich gehaltenen Beteiligungsboom ausgelöst. Innerhalb eines Monats bekamen die Stadtwerke mehr als zehn Millionen Euro zusammen. Stadtwerke-Chef Claus Gebhardt sprach am Dienstag von einem "überwältigenden Interesse".

Rund 1.000 Bürger wollen im Schnitt je rund 11.000 Euro an Anteilen des lokalen Investitionsmodells mit der Bezeichnung "swa-Energiepartner" zeichnen, wie Gebhard erläuterte. Noch vor Ablauf der Zeichnungsfrist am 22. April ist die angestrebte Summe deutlich überschritten. Die hohe Nachfrage zeige, "wie wichtig den Bürgern der Umstieg auf erneuerbare Energie ist", sagte der Stadtwerke-Chef.

Rendite sind überschaubar

Drei Projekte bieten die Stadtwerke für die Beteiligung ihrer Bürger an: Ein neues Wasserkraftwerk am Hochablass und zwei Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Kongresshalle und der Stadtbücherei. Die Verzinsung ist überschaubar: drei Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Bei so mancher Bürgerbeteiligung an Windparks locken höhere Zinsen.

Der Augsburger Energieexperte Raimund Kamm sagt, die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass die Nachfrage nach Bürgerbeteiligungen immens hoch sei. Ähnliches ist auch aus dem Allgäuer Energie-Vorzeigedorf Wildpoldsried zu hören, wo ebenfalls zusätzlich neue Windräder entstehen und die Nachfrage an Bürgerbeteiligungen längst nicht befriedigt werden kann.

"Interessanterweise ist es ja meist so, dass es dort, wo keine auswärtigen Investoren und großen Fonds die Windräder planen, sondern die Bürger selbst, kaum Widerstand gibt", sagt Kamm und erinnert an ein schwäbisches Sprichwort, das ein Landwirt jüngst bei einer Versammlung rief: Die eigenen Schweine stinken nicht!

Weitere Ökostrom-Projekte sind in Planung

Für alle, die wegen der hohen Nachfrage an Beteiligungen dieses Mal nicht zum Zuge kommen, haben die Stadtwerke eine gute Nachricht: Weitere Ökostrom-Projekte sollen in nächster Zeit verwirklicht werden. Denn der Kommunalversorger hat Großes vor: Bereits in zwei Jahren - bis 2014 - sollen alle rund 140.000 Augsburger Haushalte mit ökologischer Energie aus eigenen Anlagen versorgt werden.

Dabei verbrauchen allerdings die privaten Haushalte nur rund ein Drittel des von den Stadtwerken gelieferten Stroms, das Gros des Stromverbrauchs entfällt auf Industrie und Gewerbe.

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