Potenzial von 5,5 Prozent des Wärmebedarfs im Ländle

Aufbruchstimmung in der Geothermie-Branche

In Stuttgart fand dieser Tage ein Kongress zum Thema "Erdwärmenutzung in Baden-Württemberg" statt. Planer, Bohrunternehmer, Geologen und Handwerker sind ob der wirtschaftlichen Aussichten erfreut, da Erdwärme ein unerschöpflicher Energielieferant zu sein scheint.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Stuttgart (red) - Im Haus der Wirtschaft in Stuttgart wurde am Mittwoch vergangener Woche ein vom Umwelt- sowie vom Wirtschaftsministerium gemeinsam initiierter Kongress zum Thema Erdwärmenutzung veranstaltet. Über 400 Teilnehmer aus der Branche trafen sich, um Informationen auszutauschen und um gemeinsam die Weichen für die Erschließung der Erdwärme in Baden-Württemberg zu stellen.

Die in der Branche herrschende Aufbruchstimmung war unter den zahlreichen Planern, Bohrunternehmen, Geologen und Handwerksbetrieben zu spüren. Parallel zu hochkarätigen Referaten konnten die Besucher sich bei 25 Ausstellern umfassend informieren. Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Horst Mehrländer zeigte sich ob der positiven Resonanz zufrieden: "Die zahlreichen Kongressteilnehmer konnten sicher viele vertiefende Erkenntnisse gewinnen und wir hoffen, dass schon bald konkrete neue Geothermieprojekte folgen".

"Die Geothermie, das heißt die unterhalb der Erdoberfläche gespeicherte Erdwärme, ist hervorragend geeignet, in Zukunft einen ansehnlichen Beitrag zu unserer Energieversorgung zu leisten", sagte Umweltministerin Tanja Gönner. Die oberflächennahe Geothermie stelle eine unerschöpfliche, hocheffiziente und umweltfreundliche Energiequelle dar und sei in weiten Teilen des Landes verfügbar. Vor allem in der privaten Nutzung biete diese innovative Energienutzung zudem Unabhängigkeit vom Öl- und Gasmarkt, dessen Preise sich mittelfristig kaum zu Gunsten der Käufer entwickeln würden.

Nach Darstellung der Umweltministerin haben die zur Nutzung der oberflächennahen Geothermie notwendigen Erdwärmesonden und Wärmepumpanlagen inzwischen die technische Einsatzreife erreicht. In Österreich und in der Schweiz hat sich die Nutzung der oberflächennahen Geothermie weitgehend durchgesetzt, während in Deutschland erst relativ wenige Erdwärmesonden in Betrieb sind. Mit einer Kilowattstunde Strom für die Wärmesonde können bis zu vier Kilowattstunden Wärme bereitgestellt werden, da die Wärme nicht erst erzeugt werden muss, sondern nur aus der Tiefe angehoben wird.

Das technische Potenzial der oberflächennahen Geothermie in Baden-Württemberg wird auf rund vier Milliarden Kilowattstunden Wärmeenergie pro Jahr geschätzt. Dies entspricht rund 5,5 Prozent des Wärmebedarfs aller Haushalte in Baden-Württemberg oder - anders ausgedrückt - einer jährlichen Einsparung von 450 Millionen Liter Heizöl. Damit können mehr als 900.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden.

Das könnte Sie auch interessieren
  • München

    Oktoberfest: Riesiger Strombedarf wird mit Ökoenergie gedeckt

    Auf dem Münchener Oktoberfest verbrauchen Fahrgeschäfte und Buden die Strommenge einer Kleinstadt. Immerhin: Seit 2012 wird für die Energieversorgung ausschließlich Ökostrom und -gas bereitgestellt.

  • Gasvergleich

    Mehrere Energiefirmen kündigen Senkung der Gaspreise an

    Die Gaspreise sollen gleich bei mehreren Stadtwerken noch vor Beginn der Heizperiode fallen. Ankündigungen gab es beispielsweise von den Stadtwerken in Kiel und Wiesbaden.

  • Stromtarife

    Baden-Württemberg: Strom zu 58 Prozent aus Kernenergie

    Bei der Erzeugung des Stroms im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg kam vor allem die Kernenergie zum Einsatz (58 Prozent). Weitere 28 Prozent des Stroms wurden aus Steinkohle und vier Prozent aus Erdgas gewonnen. Die Laufwasser- und Speicherwasserkraftwerke erzeugten 4,4 Milliarden Kilowattstunden (7 Prozent).

  • Stromtarife

    Trittin sieht Atomausstieg auf gutem Weg

    Wohl in der kommenden Woche dürfte das Kernkraftwerk Obrigheim in Baden-Württemberg seine letzte Kilowattstunde Strom produziert haben und für immer vom Netz gehen. Für die Grünen ist das absehbare Aus des ältesten AKW in der Republik Anlass zur Freude, sie feierten gestern ein umstrittenes "Umschaltfest".

  • Hochspannungsleitung

    EnBW unterstützt das Landesförderprogramm Geothermie

    Die EnBW unterstützt das Land Baden-Württemberg bei der Förderung der Geothermie. Drei Millionen Euro gibt der Energieversorger dazu, damit künftig Strom und Wärme aus der Nutzung der Erdwärme gewonnen werden können. Das Land gibt bei der Installation einer Erdsonne einen Zuschuss von 14 Euro pro Laufendmeter.

Top