Für Rekonstruktionen

Audioaufzeichnungen im Kernkraftwerk Krümmel angeordnet

Für die Rekonstruktion von Störfällen hat die Reaktorsicherheitsbehörde Audioaufzeichnungen im Leitstand des Kernkraftwerks Krümmel angeordnet. Die Auflage sei gegen den Widerstand des Betreibers erfolgt, hieß es. Sie ist hierzulande die erste ihrer Art.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Kiel (ddp/sm) - Das sagte ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Gesundheitsministeriums am Mittwoch in Kiel. Ziel sei es, Entscheidungsabläufe auf der Kernkraftwerkswarte künftig besser rekonstruieren zu können.

Störfälle könnten dank der Aufzeichnungen schneller und umfassender analysiert werden. Auch für die KKW in Brunsbüttel und Brokdorf solle es eine entsprechende Auflage geben. Bislang zeichnet kein deutsches AKW die Gespräche der Verantwortlichen im Leitstand auf.

Der Leiter der Reaktorsicherheitsabteilung, Wolfgang Cloosters, bezeichnete die Maßnahme als "Anpassung an Sicherheitsstandards". In der Luft- oder Seefahrt etwa sei das bereits "gängige Praxis".

Der Energiekonzern Vattenfall kündigte als Betreiber des KKW an, "die technischen, arbeitspsychologischen und rechtlichen Details" der Audioüberwachung sorgfältig zu prüfen. Die Situation in der 120 Quadratmeter großen Kraftwerkswarte sei nicht mit einem Flugzeugcockpit zu vergleichen, sagte Sprecherin Barbara Meyer-Bukow. Wegen der Größe und der vielen Mitarbeiter sei es schwierig, die komplexe Kommunikation zuzuordnen. Zudem verwies das Unternehmen auf eine mögliche Verunsicherung der Mitarbeiter durch Gesprächsaufzeichnungen. Dies sei in Gutachten nachgewiesen worden.

Die vom Energiekonzern Vattenfall betriebenen AKW Brunsbüttel und Krümmel waren nach einem Kurzschluss beziehungsweise Trafobrand Ende Juni 2007 abgeschaltet worden. In beiden Kernkraftwerken sind die Reparaturarbeiten bislang noch nicht abgeschlossen.

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