200.000 Kunden weniger

Auch RWE verzeichnet Gewinnrückgang (Upd.)

Der Essener Versorger bekräftigte am Donnerstag trotz eines spürbaren Gewinnrückgangs seine Prognose für 2008. Der zuletzt starke Kundenverlust wurde abgefangen. Die Preiserhöhungen wirken sich indes erst mittelfristig aus.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Trotz gestiegener Strom- und Gaspreise hat der zweitgrößte deutsche Energieversorger RWE im ersten Halbjahr einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Wie RWE am Donnerstag in Essen mitteilte, brach der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr unerwartet stark um 56 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro ein. Bereits am Vortag hatte der Branchenprimus E.ON einen deutlichen Rückgang seines Überschusses gemeldet. Allerdings bekräftigte RWE wie zuvor auch E.ON seine Prognose für das Gesamtjahr. Die im DAX notierte RWE-Aktie gab bis zum Mittag in einem festeren Börsenumfeld fast ein Prozent nach.

Nach RWE-Angaben sank das Betriebsergebnis in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent auf rund 3,9 Milliarden Euro. Demgegenüber stieg der Umsatz um 13 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro und lag damit über den Erwartungen von Branchenbeobachtern.

Im operativen Geschäft machten sich zwar das Wiederanfahren des Atomkraftwerks Biblis sowie höhere Strompreise positiv bemerkbar. Ein um 536 Millionen Euro gesunkenes Betriebsergebnis bei der Handelstochter RWE Supply & Trading konnte dadurch aber nicht wieder aufgefangen werden. Die Vertriebstochter RWE Energy verzeichnete ebenfalls einen deutlichen Ergebnisrückgang, der vor allem auf Belastungen aus der Netzregulierung zurückzuführen war.

Das Unternehmen stellte zugleich eine Erhöhung der Mittelfristziele in Aussicht und kündigte in einer im Internet veröffentlichten Präsentation ein "Upgrade" für den kommenden Februar an. "Die mittelfristigen Perspektiven hellen sich zusehend auf", sagte Bernhard Jeggle, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Das von RWE angekündigte Upgrade werde wohl aus den angehobenen Kostensenkungszielen und den letztlich positiven Auswirkungen der gestiegenen Strom- und Gaspreise resultieren.

Mehr Geld für Forschung

Der Konzern kündigte außerdem an, die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung deutlich zu steigern. Ab 2008 seien hierzu jeweils über 100 Millionen Euro veranschlagt, hieß es. Mehr als zwei Drittel des Forschungsbudgets sollten in der Stromerzeugung für Projekte zur Effizienzverbesserung und Emissionsreduktion zur Verfügung stehen.

Nach Angaben des RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann soll die RWE-Billigtochter eprimo ihre Kundenzahl bis 2011 auf mehr als eine Million erhöhen. Im zweiten Halbjahr 2008 erwarte eprimo 100.000 neue Kunden. Damit wäre das Unternehmen dann Ende 2008 bei rund 380.000 Kunden. Großmann räumte ein, dass der RWE-Konzern im Haushalts- und Gewerbekundenbereich im ersten Halbjahr insgesamt netto 200.000 Kunden verloren hat. Im Juni habe der Konzern aber erstmals seit langem wieder eine ausgeglichene Monatsbilanz erreicht.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Energiekosten

    Sprit und Heizöl waren im August erneut günstiger

    Heizöl und Sprit sind im vergangenen Monat erneut günstiger geworden. Auch beim Gas gingen die Preise zurück, beim Strom kam es immerhin zu einem Preisstillstand. Wer nun mit einer Preiserhöhung konfrontiert wird, sollte die Preise vergleichen.

  • Stromrechnung

    Talfahrt bei RWE und Eon: Gibt es noch Lichtblicke?

    Die beiden Stromriesen RWE und Eon stecken in der Klemme. Beim Umstieg auf erneuerbare Energien hinken beide Firmen hinterher. Werden das bald die Stromkunden mit steigenden Preisen ausbaden müssen?

  • Energieversorung

    Berliner Gasag unterbietet Gaspreise von RWE

    Mit Kampfpreisen will der Berliner Gasversorger Gasag den Heimatmarkt von RWE aufmischen. Gasag-Chef Andreas Pohl will laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" in Nordrhein-Westfalen, wo RWE bislang nahezu unangefochten dominiert, Erdgas etwa fünf Prozent günstiger als der Energieriese anbieten.

  • Strompreise

    Süwag erhöht Strompreise zum Jahresbeginn

    Die Süwag Energie AG hat für den Jahresbeginn 2008 eine Preiserhöhung um durchschnittlich neun Prozent angekündigt. Als Ursache für die steigenden Strompreise nennt das Unternehmen die gestiegenen Beschaffungskosten sowie die Belastungen aus dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG).

  • Energieversorung

    Ministerium: Stromkunden können auf Rückzahlung hoffen

    Nach der Abmahnung des Bundeskartellamtes gegen den Energieversorger RWE wegen der Einpreisung der CO2-Zertifikate bei Industriekunden können die Privatkunden des Unternehmens nach Ansicht des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums auf Rückzahlungen hoffen.

Top