Energiepolitik

Auch RWE fordert ein eigenständiges Energieministerium

Der Stromkonzern RWE fordert nun auch ein Energieministerium, ähnlich wie in den vergangenen Wochen bereits andere Politiker. Die bisherige Splittung in zwei Zuständigkeiten erwecke den Eindruck, dass zu viele Köche in einem Brei herumrühren würden. Zudem mangele es laut RWE an der Kommunikation zwischen den Ministerien.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Essen (dapd/red) - Angesichts der Herausforderungen des Atomausstiegs drängt Deutschlands größter Stromanbieter RWE auf eine Bündelung der politischen Zuständigkeiten für die Energiepolitik in einer Hand. "Wir brauchen ein Energieministerium", sagt der Chef der für die erneuerbaren Energien zuständigen Konzerntochter RWE Innogy, Fritz Vahrenholt. Die derzeitige Aufteilung der Zuständigkeit auf Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) funktioniere nicht. "Die beiden reden offenbar nicht miteinander und uns läuft die Zeit weg", sagte der Manager.

Hochsee-Windparks: Lage zwischen Verhandlungsparteien angespannt

Vor allem bei den für die Umsetzung des Atomausstiegs wichtigen Hochsee-Windparks habe das Kompetenzwirrwarr bereits zu einer "hochgradig angespannten Situation" geführt, klagte Vahrenholt. Der Genehmigungsprozess für die meisten der 25 geplanten Windparks sei immer noch weit vom Abschluss entfernt. Viele Unsicherheiten drohten die Investitionsbereitschaft der Energiekonzerne zu untergraben.

Kritik an zu viel Bürokratie

Die deutschen Verwaltungen seien offenbar nicht auf das Thema Hochsee-Windparks vorbereitet, bemängelte Vahrenholt. Die praktischen Probleme im Genehmigungsverfahren reichten vom Schallschutz für Schweinswale bei den Bauarbeiten, über die Anbindung der Windparks ans Stromnetz bis zu - nach Vahrenholts Auffassung - völlig überzogenen Normen für die Fundamente der Windanlagen. "Wir haben den Eindruck, dass zu viele Köche im Brei rumrühren. Es kann nicht sein, dass sich jede Behörde austobt", kritisierte der RWE-Manager. Vergleichbar massive Probleme gebe es in anderen Ländern wie Großbritannien, Belgien oder in den Niederlanden nicht.

RWE will in erneuerbare Energien investieren

RWE Innogy will in den nächsten vier Jahren rund fünf Milliarden Euro in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren. Der Stromanbieter will damit seine Kapazitäten von derzeit rund 2.500 Megawatt auf rund 4.500 Megawatt steigern. Ein gutes Drittel der Summe soll in Deutschland investiert werden: in den Hochsee-Windpark Nordsee Ost, aber auch in Windparks im Rheinischen Braunkohlenrevier, in Biomasse-Kraftwerke, Biogas-Anlagen und den Ausbau der Wasserkraft.

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