Keine Besserung in Sicht

Auch im nächsten Jahr: Strom verteuert sich weiter

Außer E.ON planen alle deutschen Netzbetreiber eine Erhöhung der Netznutzungsentgelte zum 1. Januar 2005. Als Gründe werden neben den höheren Beschaffungskosten an der EEX auch die Mehrkosten aus dem neuen EEG angegeben. Der BEE hält das für "scheinheilig" und ruft Verbraucherschützer auf den Plan.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Essen/Berlin (ddp/sm) - Während sich der Bundesrat derzeit mit dem neuen Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) abmüht, Industrie- und Energieverbände wiederholt mehr Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt fordern und das Kartellamt gegen die großen deutschen Energieversorger ermittelt, schaffen die Energiekonzerne Fakten. Mehr und mehr wird klar, dass sich viele Haushalte, Gewerbebetriebe und Industrieunternehmen auf eine Erhöhung der Strompreise zum Jahresanfang einstellen müssen. Und für die Nutzung fremder Netze müssen Wettbewerber künftig ebenfalls tiefer in die Tasche greifen.

Höhere Netznutzungsentgelte = höhere Privatkundentarife

Wie am Montag aus dem Umfeld der RWE AG zu hören war, erwägt das Unternehmen zum 1. Januar 2005 eine Anhebung seiner Netznutzungsentgelte auf Höchstspannungsebene um 9,6 Prozent. Vattenfall Europe hatte zuvor bereits eine noch deutlichere Zulage in Aussicht gestellt, obwohl konkrete Zahlen noch nicht vorliegen, rechnet die Branche mit mindestens 25 Prozent. Bei der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) heißt es derzeit, man prüfe noch die neuen Belastungen. Lediglich E.ON hat bereits den klaren Entschluss gefasst, seine Netznutzungsgebühren unverändert zu lassen.

Alle, außer E.ON

Der Grund für E.ONs "oppurtunistische" Haltung ist aus Sicht der Wettbewerber verständlich. E.ON gehört zu den Gewinnern der am 1. August in Kraft getretenen Novelle zur Förderung erneuerbarer Energien, die einen neuen Lastenausgleich zwischen windkraftstarken und -schwachen Regionen beinhaltet. Da in der E.ON-Regelzone bisher fast 50 Prozent der deutschen Windräder stehen, erhält der Konzern künftig höhere Ausgleichszahlungen, ebenso wie Vattenfall Europe. Was E.ON als "gerechtere Ausgestaltung" bezeichnet, kommt die Wettbewerber RWE und EnBW teuer zu stehen. RWE Energy muss beispielsweise künftig für 38 Prozent der bundesweit installierten Windkraft einen Ausgleich zahlen.

Beschaffungskosten an der EEX steigen ebenfalls

Die höheren Netznutzungsgebühren dürften sich im Endeffekt auch auf die Strompreise für Haushalte und Unternehmen niederschlagen, RWE jedenfalls hat bereits angekündigt, neben den Netznutzungsentgelten auch die Privatkundentarife zum 1.1.2005 erhöhen zu wollen. Anteil daran hätten auch die gestiegenen Beschaffungskosten an der Leipziger Strombörse EEX, heißt es aus den Unternehmen. Dort werden zwar nur zehn Prozent des deutschen Verbrauchs gehandelt, die großen Versorger sprechen dennoch von "Marktpreisen".

BEE: RWE ist scheinheilig

Für den Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) ist dies "scheinheilig". RWE selbst sei - gemeinsam mit den anderen großen Stromkonzernen - der Preistreiber an der EEX, hieß es am Montag. Die Gründe für die Preiserhöhung hält der BEE nur für vorgeschoben und klagt, RWE plane eine "weitere Abzocke der Stromkunden".

Von Andreas Heitker (Dow Jones Newswires) und Nina Böcher (strom magazin)

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