Castor

Atomtransport in Gorleben, Endlagerdiskussion bleibt

Heute morgen erreichte der Tieflader mit den zwölf Castoren aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague sein Ziel im Zwischenlager Gorleben. Damit wird es jetzt erstmal wieder ruhig werden im Wendland - die Diskussion um ein Endlager bleibt indes so aktuell wie nie.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Gorleben (ddp-nrd/sm) - Der Atommülltransport nach Gorleben ist heute morgen im Zwischenlager im Wendland eingetroffen. Zuvor hatten Demonstranten bis zuletzt durch Blockaden versucht, den Transport der Castoren aufzuhalten.

Nach Angaben des Aktionsbündnisses "X-tausendmal quer" beteiligten sich insgesamt 1000 Atomkraftgegner an den Blockadeaktionen. Die Polizei hatte allein in Niedersachsen knapp 10 000 Beamte im Einsatz. Der insgesamt neunte Atommülltransport nach Gorleben war am Samstagabend von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague gestartet.

Unterdessen verlangte der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) die Wiederaufnahme der Prüfung Gorlebens als atomares Endlager ohne gleichzeitige Prüfung anderer Standorte. Alternativen sollten erst dann in Erwägung gezogen werden, wenn das Prüfverfahren für Gorleben "sicherheitstechnische Mängel" offen lege. Zugleich forderte er die Union auf, die Frage längerer Laufzeiten für Atomkraftwerke noch einmal auf den Tisch zu bringen. Der stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei.PDS, Wolfgang Methling, sprach sich indes für die Vermeidung von Castor-Transporten aus: "Die Linkspartei.PDS lehnt die Wiederaufarbeitung atomarer Brennstoffe, wie sie zurzeit betrieben wird, ebenso ab wie die damit verbundenen Atommülltransporte. Die Einlagerung von hochradioaktivem Müll in Gorleben ist nach gegenwärtigem Erkenntnisstand nicht zu verantworten."

Heute morgen hatten die Tieflader mit den zwölf Castoren um 5.54 Uhr ihren Zielort erreicht, nachdem sie genau eine Stunde zuvor vom Verladebahnhof Dannenberg nach Gorleben gestartet waren. Die letzten 20 Kilometer legte der Transport auf der Straße zurück, nachdem die Atommüllbehälter in Danneberg von der Schiene auf die Spezialfahrzeuge umgeladen worden waren. Laut Polizei verlief die letzte Etappe des Castortransports störungsfrei. Zuvor hatte die Polizei auf der Transportstrecke in Grippel und Gorleben Blockaden von Castorgegnern geräumt.

Eine von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Auftrag gegebene Messung ergab unterdessen, dass die von den Castor-Behältern in Dannenberg ausgehende Neutronenstrahlung in zwölf Metern Entfernung noch knapp 230 mal höher war als die gleichartige natürliche Hintergrundstrahlung. Zwar liege der Messwert noch innerhalb des Rahmens des verkehrsrechtlichen Grenzwertes, dennoch forderte Greenpeace, dass die offiziellen Messergebnisse direkt veröffentlicht werden, damit Begleitpersonal, Anwohner und Demonstranten wissen, welcher Strahlung sie ausgesetzt werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte heute ein Moratorium für weitere Atomtransporte. Diese dürften erst wieder stattfinden, wenn ein Atommüllendlager gefunden worden sei. Es sei unsinnig, in den nächsten zehn Jahren noch rund 100 Castoren nach Gorleben zu bringen, wenn laut Koalitionsvertrag die neue Bundesregierung in vier Jahren die Endlagerfrage gelöst haben wolle. Dabei könne nach Ansicht des BUND nur ein anderer Standort als Gorleben herauskommen. Dorthin müsste der gefährliche Atommüll dann erneut transportiert werden.

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