Lobbyismus

Atommanager soll bei Gorleben-Eignung mitwirken (Upd.)

Der umstrittene frühere Atommanager Bruno Thomauske soll bei Vorarbeiten für das geplante Endlager Gorleben mitwirken. Wie das Magazin "Stern" am Mittwoch vorab meldete, wird er an einer vom Bundesumweltministerium finanzierten Eignungsprognose für Gorleben beteiligt. Die Personalie wurde inzwischen bestätigt.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg/Gorleben (ddp/red) - Das Bundesumweltministerium bestätigte den Bericht unterdessen. Danach wird Thomauske an einer Sicherheitsanalyse der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) für Gorleben beteiligt. Die Studie wird vom Umweltministerium finanziert. Umweltschützer reagierten mit scharfer Kritik auf die Personalie. Das Bundesumweltministerium bezeichnete ihn als anerkannten Fachmann.

Thomauske war Geschäftsführer des Atombereichs im Energiekonzern Vattenfall, als in dessen Atomreaktor Krümmel vor drei Jahren ein Trafobrand ausbrach. Das AKW steht seitdem bis auf eine kurze Unterbrechung still, Thomauske verlor nach Vorwürfen gegen ihn seinen Posten. Vorher war er beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beschäftigt. Sein Wechsel zu Vattenfall wurde seinerzeit heftig kritisiert. So gab es Bedenken, er könne Insider-Informationen vom BfS an seinen neuen Arbeitsgeber weitergeben. Nach "Stern"-Angaben hat Thomauske derzeit einen vom Energiekonzern RWE gesponserten Lehrstuhl an der Technischen Hochschule Aachen inne.

"Der Filz erreicht unter Bundesumweltminister Norbert Röttgen eine neue Qualität", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke. Thomauske sei voreingenommen und ein "Atom-Lobbyist": Bei der Inbetriebnahme des Atommüllzwischenlagers am AKW Brunsbüttel habe er gefordert, die Erkundungen im Gorlebener Salzstock sollten zügig fortgesetzt und das Genehmigungsverfahren zum Abschluss gebracht werden. Floskeln wie Transparenz, Ergebnisoffenheit und Bürgerbeteiligung würden durch derartige Personalentscheidungen konterkariert.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die seit zehn Jahren unterbrochenen Erkundungsarbeiten in Gorleben noch in diesem Jahr wieder aufnehmen lassen. Die Stromkonzerne dringen dort auf den Bau eines Endlagers, weil sie schon rund 1,3 Milliarden Euro in die bisherigen Untersuchungen investiert haben. Derzeit beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestages mit Ungereimtheiten bei der Standortbenennung.

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