Nicht nur Gorleben

Atommanager für Prüfung alternativer Atommüllendlager

Die Stromwirtschaft ist anscheinend bereit, neben Gorleben auch andere Standorte für ein nukleares Endlager ins Kalkül zu ziehen. Zwar halte man Gorleben für geeignet und wolle auch die Erkundung dort wieder aufnehmen, allerdings sollte man auch alternative Standorte untersuchen.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp/sm) - Der der Geschäftsführer der Essener Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), Holger Bröskamp, schlug in der "Frankfurter Rundschau" im Namen der Branche vor, die vorhandenen Daten zu anderen möglichen Standorten zu analysieren - für den Fall, dass Gorleben sich als ungeeignet herausstellen sollte. Allerdings müsse parallel die Erkundung des Gorlebener Salzstocks wieder aufgenommen werden.

Bisher spreche nichts gegen die Eignung des Standortes in Niedersachsen, sagte Bröskamp, dessen Initiative dem Blatt zufolge mit den Kernkraftwerksbetreibern abgestimmt ist. Allerdings sei Eignung noch nicht endgültig nachgewiesen. "Wir müssen die Gräben zwischen den Lagern überbrücken", sagte der Atommanager. Wenn man wolle, "dass in dieser Generation das nötige Endlager entsteht, muss die gegenseitige Blockade überwunden werden".

Bröskamp schlug weiter vor, im Raum Gorleben einen neuen Dialog zu starten, der mehr Transparenz in die Endlager-Entscheidung bringen solle. In einer Art "Begleitkreis" sollten neben Landkreis und Kommunen auch Bürgerinitiativen eingeladen werden. Er solle so mit Mitteln ausgestattet werden, dass die Teilnehmer etwa Ergebnisse der Salzstockerkundung selbstständig überprüfen und eigene Bewertungen vornehmen können.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte der Zeitung: "Die Eignung von Gorleben bereits zu prüfen, bevor ein Auswahlverfahren stattgefunden hat, ergibt keinen Sinn." Die Auswahl von Standort-Alternativen müsse nach internationalem Standard erfolgen - mit vorher festgelegten Kriterien nach dem Stand von Wissenschaft und Technik.

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