Sicherheitschecks

Atomkraftwerke werden vom Netz genommen - der aktuelle Stand

Die Bundesregierung will alle 17 deutschen Atomkraftwerke in den nächsten drei Monaten einem eingehenden Sicherheitscheck unterziehen. Die sieben ältesten und der derzeit ohnehin stillgelegte Pannenreaktor Krümmel sollen in dieser Zeit vom Netz gehen. So sieht der aktuelle Stand bei der Abschaltung aus.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Am Freitag will die Landesregierung die Anordnung zur Abschaltung von Biblis A erteilen. Der Reaktor soll dann nach Angaben des Betreibers RWE umgehend heruntergefahren werden, was etwa zwei bis drei Tage dauern soll. Das Umweltministerium hält die Wahrscheinlichkeit, dass Block A nach drei Monaten wieder ans Netz geht, für gering. RWE kündigte bereits an, die Anordnung der Bundesregierung zur vorübergehenden Stilllegung des Kraftwerks rechtlich zu prüfen.

Biblis B ist derzeit ohnehin für eine Revision vom Netz. Mitte November war der Reaktor heruntergefahren worden, planmäßig hätte er am 22. Mai wieder in Betrieb gehen sollen. Nun wird die Pause mindestens bis Mitte Juni verlängert.

Drei Atomkraftwerke schon vom Netz genommen

Bereits wenige Stunden nach einer Anordnung des baden-württembergischen Umweltministeriums am Mittwoch ist das Kraftwerk Neckarwestheim 1 in einem Zug heruntergefahren worden. Nach Angaben des Betreibers EnBW ist das Kraftwerk am Mittwoch um 22.41 Uhr abgeschaltet worden. Den Angaben zufolge überprüfen die Juristen des Konzerns derzeit allerdings die Anordnung des Umweltministeriums. Danach soll über eine mögliche Klage entschieden werden.

Am Donnerstagmittag hat der Betreiber E.ON mit dem Herunterfahren des Reaktors Unterweser begonnen. Am Freitagmorgen um 3.33 Uhr sei das AKW nach dem Runterfahren vom Netz genommen worden, so E.ON. Zuvor war bei dem Konzern die Weisung des Niedersächsischen Umweltministeriums eingegangen. E.ON war zunächst der Bitte der Landesregierung auf vorübergehende Stilllegung nicht nachgekommen. Das Unternehmen bestand auf eine entsprechende Anordnung.

Auch der Atommeiler Isar 1 ist vom Netz. Nach Angaben des Betreibers E.ON ist das Kraftwerk seit Donnerstagnachmittag 16.00 Uhr komplett heruntergefahren. E.ON hatte bereits am Dienstag damit begonnen, den Meiler herunterzufahren, dies jedoch vorübergehend ausgesetzt. Das Unternehmen hatte auf die offizielle Anweisung des Umweltministeriums gewartet, die schließlich am Donnerstag einging.

Nach Angaben des Betreibers EnBW ist das AKW Philippsburg 1 in der Nacht zum Donnerstag schrittweise heruntergefahren worden. Um 4.28 Uhr am frühen Donnerstagmorgen sei er abgeschaltet worden.

Krümmel und Brunsbüttel schon seit 2007 abgeschaltet

Das AKW Brunsbüttel war am 28. Juni 2007 wegen eines Kurzschlusses in einer Schaltanlage vom Netz genommen worden. Seitdem ist der Meiler, der gemeinsam vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall und dem deutschen Versorger E.ON betrieben wird, wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb.

Das Kraftwerk Krümmel ist derzeit nicht in Betrieb. Es wurde am 28. Juni 2007 - am selben Tag wie Brunsbüttel - nach dem Brand eines Trafos vom Netz genommen und war zwischenzeitlich lediglich für etwa zwei Wochen im Jahr 2009 wieder in Betrieb.

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