Proteste angekündigt

Atomkraftgegner im Wendland warten auf Castor

Am Freitagabend soll der Transport nach Informationen der Bürgerinitiativen in Frankreich starten. Mit der Ankunft des Atommüllzuges im Wendland wird am Sonntag gerechnet. Dort haben Atomkraftgegner bereits zahlreiche Proteste angekündigt. Die Pannen im Atommüllager Asse haben die Stimmung noch mehr angeheizt.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Gorleben (ddp/sm) - Wenige Tage vor der erwarteten Ankunft des Castortransportes im Wendland haben viele Einwohner des Dorfes Gusborn vor ihren Häusern Anti-Atom-Transparente aufgespannt und Fahnen mit der lachenden gelben Sonne auf rotem Grund gehisst. Sie haben gelbe Latten zu jenem "X" zusammengenagelt, das die "X-tausendmal quer"-Bewegung als ihr Erkennungssymbol geprägt hat, und in Vorgärten, vor Stalltüren und auf den abgeernteten Feldern aufgestellt.

Gusborn liegt an der Strecke, auf der die Behälter in den vergangenen Jahren mit Lastwagen ins Zwischenlager gebracht wurden. Die meisten Leute hier sind Atomkraftgegner. Bei vergangenen Transporten rangelten protestierende Bauern und Polizisten Nächte lang auf Straßen und Kreuzungen. 181 Gusborner haben per Zeitungsinserat angekündigt, dass sie auch dieses Mal wieder auf die Straße gehen wollen, wenn die Castoren kommen.

Castor am Sonntag im Wendland

Am Freitagabend startet der Transport in Frankreich, in Dannenberg soll dann ein Kran die elf Behälter mit hochradioaktiven, in Glas eingeschmolzenen Abfällen aus der Wiederaufarbeitung auf Tieflader hieven. Sie werden den Müll die letzten 20 Kilometer ins Zwischenlager Gorleben bringen.

Die Atomkraftgegner haben zahlreiche Protestaktionen gegen den Castortransport angekündigt und rechnen mit großem Zulauf, "weil die Auseinandersetzung über das Lager Asse und das Thema Renaissance der Atomkraft die Stimmung mächtig angeheizt haben", sagt Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg. Aus mehr als 50 Städten wollen Unterstützer mit Bussen am Samstag zur großen Demonstration kommen.

Auch die Initiative "X-tausendmal quer" stellt eine "große Unterstützung für unser Anliegen" fest. Selbst Politiker von Grünen und Linken würden sich an nicht erlaubten Blockaden beteiligen. "Es ist gute wendländische Tradition, dass sich an diese Verbote kein Mensch hält", sagt Stay.

"Fantasievolle Aktionen" gegen Castor-Transport

Der Ort Metzingen am Rande des Wendlands hat sich zum "Widerstandsnest" erklärt. "Wir stellen uns darauf ein, Hunderte von Gästen zu beherbergen", erzählt eine Bäuerin. "Die Leute sollen wissen, dass sie trocken und warm unterkommen können, wenn sie zu den Castor-Aktionstagen reisen". Es sei wichtig, dass Einheimische und Auswärtige gemeinsam ein Zeichen gegen Atomkraft setzten.

Die in der sogenannten "Bäuerlichen Notgemeinschaft" zusammengeschlossenen atomkritischen Landwirte aus dem Wendland wollen zur Demonstration mit mehr als hundert Traktoren und Dutzenden "Stunkwagen" anrollen. Kindergärten wollen mit Laternenumzügen, Reiter mit einer "Pferdeprozession" gegen den Castortransport demonstrieren. Im "Musenpalast" in Laase soll es ein "Kulturprogramm gegen Castor" geben. Mobile Küchen wollen die Demonstranten mit Suppe, Eintopf und heißen Getränken versorgen.

Polizei erwartet nicht mehr Demonstanten als im Vorjahr

"Die Castorgegner haben viele fantasievolle Aktionen angekündigt und im Vorfeld ja auch schon gemacht", bestätigt Polizeisprecherin Wiebke Timmermann. Anders als die Bürgerinitiativen, geht die Einsatzleitung nicht von wesentlich mehr Demonstranten als in den Vorjahren aus. Gegen den bislang letzten Atommülltransport hatten 2006 rund 5000 Menschen protestiert. Mehr als 10.000 Beamte bahnten dem Transport damals den Weg.

An der Transportstrecke und rund um die Atomanlagen haben die Beamten inzwischen mit umfangreichen Sicherungsmaßnahmen begonnen. Mit Absperrgittern, Flatterband und scharfkantigem Stacheldraht wurden unter anderem der Dannenberger Bahnhof, das Gelände um den Verladekran sowie das Zwischenlager in Gorleben abgesperrt. Zu Fuß und in Mannschaftswagen patroullieren Polizisten auf Bahnübergängen, auf Brücken und Feldwegen.

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