Aus Asse lernen

Atomkraftgegner fordern Verzicht auf Gorleben

Der Streit um ein nationales Endlager für hochradioaktiven Müll ist kurz vor Beginn einer internationalen Anhörung zu diesem Thema neu entbrannt. Während Umweltminister Gabriel auf einen Vergleich mehrerer Standorte dringt, fordern Atomgegner den Verzicht auf den Standort Gorleben.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Gorleben/Berlin (ddp/sm) - Auf Einladung Gabriels beraten von Donnerstag bis Samstag etwa 350 Fachleute in Berlin über Voraussetzungen und Sicherheitsanforderungen bei der Standortsuche.

Umweltschützer fordern von Bundesumweltminister Gabriel Konsequenzen aus den Pannen im Atommülllager Asse. "Aus Asse lernen, heißt auf Gorleben verzichten und den Atomausstieg umsetzen", sagte der Sprecher der wendländischen Initiative "X-tausendmal quer", Jochen Stay.

Die radioaktiven Abfälle müssten für eine Million Jahre sicher verwahrt werden, sagte Stay. Im Salzbergwerk Asse, das einzustürzen und voll Wasser zu laufen drohe, sei dies nicht einmal für wenige Jahre gelungen. Trotzdem werde jeden Tag in den Reaktoren weiter Atommüll produziert. Dies sei ein "Skandal auf Kosten der kommenden Generationen".

Stay sieht Parallelen zwischen dem Atommülllager Asse und dem geplanten Endlager im Salzstock Gorleben. "Genau wie Asse hat der Salzstock Gorleben direkten Kontakt zum Grundwasser", erklärte er. Weil es kein wirklich sicheres Endlager gebe, dürfe kein Gramm Atommüll mehr in den Atomkraftwerken produziert werden.

Robin Wood: Endlager-Suche findet garnicht statt

Auch die Umweltorganisation Robin Wood verlangte eine Absage an Gorleben als Endlager-Standort. Die von Gabriel propagierte Suche nach anderen Standorten finde bislang nicht statt, bemängelte Robin Wood-Sprecher Dirk Seifert.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms erklärte, sie fahre "mit gemischten Gefühlen" zum Endlagersymposium nach Berlin. Es habe in Deutschland nie einen ergebnisoffenen Vergleich von verschiedenen Lager-Optionen gegeben, stattdessen habe man sich früh einseitig auf Salzstöcke als geeignete Einlagerungsorte festgelegt.

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sagte, die Asse habe gezeigt, dass Salz eben nicht automatisch das beste Wirtsgestein sei. Die Links-Fraktion in Niedersachsen bezeichnete das Symposium als "Alibi-Show". Viel deute darauf hin, dass dort Gorleben als Endlagerstandort "hoffähig gemacht werden soll".

Protest vor Endlager-Konferenz in Berlin

Mit einer ungewöhnlichen Aktion wollen Atomkraftgegner gegen die Nutzung von Gorleben protestieren. Vor dem Veranstaltungsort des Symposiums zur Endlagerung radioaktiver Abfälle in Wilmersdorf soll ein etwa sieben Meter hoher Förderturm errichtet werden, um symbolisch Probebohrungen zur Erkundung eines Atommüllendlagers direkt unter der Hauptstadt vorzunehmen.

Zudem soll nach Angaben der Bürgerinitiative symbolisch Atommüll in gelben Fässern mit öffentlichen Verkehrsmitteln angeliefert werden. Es sei an der Zeit, nach einem alternativen Endlager zu suchen, sagte die Sprecherin. Da es weltweit noch kein anerkanntes Endlager für radioaktive Abfälle gebe, müsse die Produktion von Atommüll gestoppt werden. Zu den Protesten werden nach Polizeiangaben etwa 100 Teilnehmer erwartet. Im Wilmersdorfer Logenhaus findet von heute bis Samstag ein Internationales Symposium zur sicheren Endlagerung hochaktiver, wärmeentwickelnder Abfälle statt. Veranstalter ist das Bundesumweltministerium. Dabei soll über die Anforderungen an ein sicheres Endlager für atomare Abfälle diskutiert werden.
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