Hohe Beteiligung

Atomgegner verspüren Aufwind nach Mega-Demos

Nach den großen Demonstrationen mit rund 140.000 Teilnehmern am Wochenende sehen sich Atomkraftgegner im Aufwind. Die hohe Beteiligung zeige, dass der Protest gegen die von der schwarz-gelben Bundesregierung angestrebte Laufzeitverlängerung inzwischen "aus der Mitte der Bevölkerung" komme.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - Das sagte Organisator Jochen Stay am Montag in Berlin. Nun müsse die Bundesregierung handeln und ihre Pläne der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke aufgeben.

Am Samstag hatten mehr als 120.000 Demonstranten auf der rund 120 Kilometer langen Strecke zwischen den abgeschalteten Atomreaktoren Krümmel und Brunsbüttel eine Menschenkette gebildet, um gegen Atomkraft zu protestieren. Die Kette führte auch durch Hamburg. Außerdem demonstrierten im hessischen Biblis mehr als 10.000 Menschen, am nordrhein-westfälischen Atommüll Zwischenlager Ahaus warben mehr als 5000 Bürger für einen Atomausstieg. Stay verwies erneut darauf, dass es sich um die bislang teilnehmerstärksten Proteste gegen Atomkraft in der Geschichte der Bundesrepublik gehandelt habe.

Die Demonstranten hätten aus allen Teilen der Gesellschaft gestammt, sagte Stay weiter. Dies sei ein Unterschied zur Friedensbewegung in den 80er Jahren und sei somit "politisch brisant". Unter den Teilnehmern sei auch "klassisches CDU-Klientel" wie viele Bauern gewesen, die inzwischen von erneuerbaren Energien profitierten.

Als Grund für den hohen Mobilisierungsgrad der Bevölkerung nannten die Organisatoren die geplante Laufzeitverlängerung durch die Bundesregierung, die im Gegensatz zu den bekanntgewordenen Pannen wie im Atommülllager Asse und zur Debatte um das Atomendlager Gorleben stünden. Gleichzeitig habe man die Bürger über eine ausgeprägte Kampagne in sozialen Internetforen wie Facebook und Twitter erreichen können.

Auch die Grünen sehen in der hohen Teilnehmerzahl an den Anti-Atomkraft-Demonstrationen "politischen Rückenwind gegen Schwarz-Gelb". Die Parteivorsitzende Claudia Roth erinnerte in Berlin an den Reaktorunfall von Tschernobyl, der sich am Montag zum 24. Mal jährte. Der Unfall habe gezeigt, dass Atomkraft nicht beherrschbar sei, betonte sie. Die Menschen gingen nun auf die Straße, um "diesen atomaren Wahnsinn" zu beenden.

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