Vorwürfe

Atomgegner: "Endlager-Desaster" habe Merkel zu verantworten

Atomkraftgegner werfen Bundeskanzlerin Angela Merkel eine direkte Verantwortlichkeit für die Skandale in den Atommülllagern Asse, Gorleben und Morsleben vor. Für Unmut sorgt im Nachhinein auch Merkels Äußerung, beim Kuchenbacken könne schon mal was danebengehen.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - "Das Atommüll-Desaster geht weitgehend auf Angela Merkels Konto", sagte der Sprecher der bundesweiten Anti-Atom-Initiative "ausgestrahlt", Jochen Stay, am Freitag in Berlin.

Hintergrund ist ein Bericht des ARD-Politikmagazins "Kontraste" vom Donnerstagabend, wonach Merkel in ihrer Zeit als Bundesumweltministerin die Risiken bei der Einlagerung von Atommüll ignorierte. Wissenschaftler hätten Merkel 1996 ausdrücklich vor der unterirdischen Einlagerung von Atommüll gewarnt. Die Ministerin habe aber nicht darauf reagiert, sondern vielmehr angeordnet, "weiterhin kostengünstig Atommüll aus Westreaktoren ins Endlager Morsleben in Sachsen-Anhalt zu verkippen", berichtete das Magazin.

Stay sagte, dass im brüchigen ehemaligen DDR-Endlager Morsleben inzwischen mehr Atommüll aus dem Westen einlagere, liege daran, dass Merkel als Bundesumweltministerin die Einlagerung "gegen alle wissenschaftlichen Bedenken durchgesetzt hat und erst von einem Gericht gestoppt werden konnte".

Zu den Sicherheitsbedenken im Salzstock Gorleben habe Merkel 1995 erklärt, dass in jeder Küche beim Kuchenbacken mal etwas Backpulver daneben gehen könne, sagte Stay. Merkel hatte eine Stellungnahme zu den in dem Bericht geäußerten Vorwürfen abgelehnt.

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