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Atomforum begrüßt Merkel-Angebot für Laufzeitverlängerung

Eines ist in punkto möglichem Regierungswechsel schon jetzt erkennbar: Die möglichen Folgen auf die Energiepolitik sind sehr vielschichtig und müssen in Zusammenhang mit anderen Komplexen wie dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und der Kohleförderung betrachtet werden.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Lobby der deutschen Atomwirtschaft, das Deutsche Atomforum, sieht in einem möglichen Schwenk in der Kernkraftpolitik nach der kommenden Bundestagswahl neue Chancen. Man habe sich an den 2001 vereinbarten Atomausstieg nur so lange gebunden gefühlt, bis die Politik neue Initiativen ergreift, sagte Vereinssprecher Christian Wößner am Dienstag in Berlin. Insofern werde vom Atomforum das Angebot von CDU-Chefin Angela Merkel begrüßt, im Falle eines Unions-Wahlsieges die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern.

Laut dem 2001 vereinbaren Atomausstieg sollte das letzte Kernkraftwerk in Deutschland nach der Vorstellung der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2018 abgeschaltet werden. Merkel hatte der Energiewirtschaft angeboten, die Atommeiler so lange weiter zu betreiben, wie sie technisch dazu in der Lage seien.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) warnte derweil vor Szenarien zu Lasten alternativer Energiequellen. Keine Partei, die in Deutschland Verantwortung übernehmen wolle, dürfe "die Branche mit den besten Wachstumschancen" ernsthaft in Frage stellen, sagte BEE-Präsident Johannes Lackmann. Er betonte, dass bereits heute 130 000 Menschen in dieser Boombranche tätig seien.

Die Auswirkungen einer Verlängerung der Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke auf die Geschäftsergebnisse der Versorger im Falle eines Regierungswechsel sind nach Ansicht von Analysten positiv einzuschätzen. Wegen der Länge des betroffenen Zeitraums sei es aber schwierig, von heutiger Warte aus die Folgen zu bestimmen oder gar konkrete Zahlen zu nennen. "Die Auswirkungen betreffen hauptsächlich die Jahre ab 2018", sagt Analyst Nils Machemehl von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Auch die Versorger selbst hätten sich bislang nur sehr zurückhaltend geäußert, sagte ein anderer Analyst. Die möglichen Folgen eines Regierungswechsels auf die Energiepolitik seien sehr vielschichtig und müssten in Zusammenhang mit anderen Komplexen wie dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und der Kohleförderung betrachtet werden. Direkte Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung der Versorger seien daher nicht ohne weiteres zu bestimmen.

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