Eindringendes Wasser

Atomenergieexperte: Asse ist falscher Ort für Atommülllagerung

Der Salzstock in der Asse bei Wolfenbüttel ist nach Einschätzung des Atomenergieexperten Michael Sailer "sicher der falsche Ort" zur Lagerung von Atommüll. Das Hauptproblem sei, dass seit 1988 permanent Wasser in das ehemalige Bergwerk fließe, meint der Vorsitzende der Entsorgungskommission und Berater des Bundesumweltministeriums.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Kommission stehe unter Zeitdruck und prüfe derzeit, wie das Bergwerk stabilisiert werden könne, sagte Sailer. Die Kammern, in denen der Atommüll lagere, müssten vor eindringendem Wasser geschützt werden, "um so eine katastrophale Situation zu verhindern".

Sailer beklagte, dass es in Gorleben in den vergangenen 30 Jahren immer wieder Versäumnisse gegeben habe, die Eignung des dortigen Salzstocks als Endlager zu überprüfen. Man habe gewisse Untersuchungspläne gemacht, aber nie politisch ein stabiles Verfahren vereinbart, das festlege, zu welchem Zeitpunkt ein Ergebnis vorliegen solle.

Zugleich betonte Sailer, eine unterirdische Lagerung des Atommülls sei die einzige Möglichkeit. "Man muss sich nur vorstellen, man würde stark strahlendes Material oberirdisch lagern, dann wird es garantiert freigesetzt." Eine unterirdische Lagerung an einer guten Stelle und technisch gut gemacht biete durchaus die Chance, "dass eine Freisetzung eine Million Jahre zurückgehalten wird", sagte Sailer.

Die Entsorgungskommission berät das Bundesumweltministerium bei Fragen der nuklearen Entsorgung. Ihr gehören elf Wissenschaftler aus dem In- und Ausland an. In Asse wurden rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen eingelagert.

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