Neue Schäden

Asse: Stabilisierung der Schachtanlage scheint unsicher

Die negativen Nachrichten aus dem Atommülllager Asse reißen nicht ab. Im niedersächsischen Umweltministerium wachsen Zweifel an der Möglichkeit einer Stabilisierung der einsturzgefährdeten Kammer in der Asse, wie am Wochenende bekannt wurde.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Der Endlager-Experte des Ministeriums, Joachim Bluth, betonte, "nicht nur über der betreffenden Kammer, sondern in der ganzen 750-Meter-Sohle knistert und knirscht das Gebirge". Angesichts dessen sei der Erfolg von Stabilisierungsmaßnahmen sehr unsicher. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte indes vor voreiligen Schlüssen.

Der neue Betreiber der Anlage, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), hatte vergangene Woche bekanntgegeben, dass sich in einer der unterirdischen Kammern Teile von der Decke lösen und auf die dort lagernden 6000 Fässer mit Atommüll stürzen könnten. Trotzdem hofft das BfS, dass sich die ehemalige Salzgrube mit Beton so weit festigen lässt, dass zumindest ein Teil des Atommülls wieder herausgeholt werden kann.

Bluth sagte, die Idee, Spalten in den Decken mit Beton zu füllen, würde nur langfristig wirken. Eine Entlastung des Gebirges sei "frühestens in acht bis zehn Jahren messbar".

Gabriel betonte, "unser Ziel bleibt es, die sicherste Lösung zu finden. Wenn es eine Chance gibt, den Atommüll wieder aus dem Bergwerk herauszuholen und damit für mehr Sicherheit zu sorgen, dann wollen wir diese Chance nutzen". Er fügte hinzu: "Aber wir wissen noch nicht, ob wir dazu in der Lage sind und ob die Stabilisierungsmaßnahmen ausreichen."

Zum jetzigen Zeitpunkt seien noch keine Aussagen möglich, sagte Gabriel und wies die Äußerungen von Bluth zurück. "Ich kann mich nur wundern: Erst hat das niedersächsische Umweltministerium jahrelang gar nichts getan, nun wissen sie alles vorher", sagte Gabriel. Offenbar wollten einige Beteiligte jetzt nachträglich ihre alte Behauptung rechtfertigen, man könne den Atommüll gar nicht herausholen. Es müsse so schnell wie möglich Klarheit über die Schließungs-Alternativen herrschen, die Entscheidungen müssten in diesem Jahr getroffen werden.

"Die Asse ist ein marodes Salzbergwerk, in das niemals radioaktive Abfälle hätten eingelagert werden dürfen", sagte BfS-Sprecher Florian Emrich. Umso wichtiger sei es, mögliche Alternativen wie die Stabilisierung oder Rückholung von Abfällen zu prüfen, damit die Asse sicher stillgelegt werden kann. "Seriöse Angaben lassen sich nur anhand wissenschaftlicher Untersuchungen machen, die bereits laufen." Seit dem Betreiberwechsel vor zwei Wochen habe sich keine neue Sicherheitslage ergeben. Die Verfüllung von Spalten mit Beton sei von Experten bereits positiv bewertet worden.

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, verlangte eine vollständige Aufklärung darüber, mit welcher Sorgfalt der ehemalige Betreiber die Standsicherheit der Asse überwachte und welche Informationen die Bundesregierung über den Zustand des maroden Bergwerks hatte. "Das heißt, wir brauchen endlich einen Untersuchungsausschuss", sagte die Bundestagsabgeordnete. Sie fügte hinzu: "Auf der 750-Meter-Sohle knirscht es nicht erst seit gestern."

Die neuen Schäden in der Asse hatten zum Wochenende einen heftigen politischen Streit ausgelöst. Das BfS habe als Betreiber des Bergwerks seine Informationen über die Einsturzgefahr fast sechs Wochen lang zurückgehalten, kritisierte die Linke im niedersächsischen Landtag. Der umweltpolitische Sprecher Kurt Herzog sagte am Freitag, von der versprochenen Transparenz des BfS sei "nichts zu spüren."

Zuvor hatte bereits Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) bemängelt, er sei vom BfS nicht frühzeitig über die im Dezember festgestellten Schäden informiert worden. Das Bundesamt hat dies jedoch zurückgewiesen. Öffentlich hatte die Behörde erstmals am späten Mittwochabend im Internet darüber informiert, dass eine Kammer vom Einsturz bedroht sei.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Ökostromrechner

    Kabinett segnet Ökostrom-Reform ab

    Wie geht es weiter mit dem Ökostrom-Ausbau in Deutschland? Lange konnten sich Bund und Länder nicht einigen, aber nun hat sich die EEG-Reform auch ihren Weg durch das Bundeskabinett gebahnt.

  • Atommüll

    Endlagerkriterium: Atommüll soll rückholbar sein

    Die Frage nach der Lagerung von Atommüll könnte die dafür eingesetzte Kommission noch lange beschäftigen. Die Mitglieder besuchten am Montag das marode Atomlager Asse. Eines schien anschließend festzustehen: Die Fehler aus der Vergangenheit sollen nicht noch einmal begangen werden.

  • Stromtarife

    Einlagerungskammer im Bergwerk Asse beschädigt (Upd.)

    Neben dem Abtransport der einsickernden Laugen muss sich der neue Betreiber des Atommülllagers Asse jetzt auch um die Abdichtung einer vom Einsturz bedrohten Kammer kümmern. Laut BfS wurden die Schäden schon Ende des vergangenen Jahres entdeckt.

  • Hochspannungsleitung

    Pannen im Atommülllager Asse ohne strafrechtliche Konsequenzen

    Die Pannen im Atommülllager Asse in Niedersachsen werden vorerst keine strafrechtlichen Konsequenzen haben. Grünen-Fraktionschefin Künast, die Anzeige erstattet hatte, reagierte empört auf die Nachricht. Dies sei eine "Unverschämtheit".

  • Strom sparen

    BfS hält Abtransport der Asse-Laugen für ungefährlich

    Bei der Entsorgung der in das Atommülllager Asse einsickernden Laugen besteht nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) keine Gefahr für Mensch und Umwelt. "Diese Zutrittswässer kommen nicht in Kontakt mit dem schwach- und mittelradioktiven Atommüll", sagte BfS-Präsident Wolfram König.

Top