Bericht

Asse: Laugen hatten möglicherweise Kontakt zu Atommüll

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat erstmals detailliert über die in das Atommülllager Asse einfließenden Laugen informiert. Dem Bericht zufolge schließt die Behörde nicht aus, dass ein Teil der im Bergwerk aufgefangenen Flüssigkeit mit radioaktiven Abfällen in Kontakt gekommen ist.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Wolfenbüttel (ddp/sm) - Nach Angaben des Bundesamtes sickern täglich rund 11,8 Kubikmeter Laugen durch Risse des umliegenden Gebirges in das Atommülllager. Etwa 10,1 Kubikmeter davon würden in 648 Metern Tiefe, weitere 1,4 Kubikmeter in 725 Metern Tiefe aufgefangen. 220 Liter würden in 750 Metern Tiefe gesammelt, wo auch ein Teil des radioaktiven Mülls liegt.

Ein direkter Zutritt dieser Wässer in die Einlagerungskammern sei bisher nicht nachgewiesen. Die sogenannten Zutrittswässer gelten als nur leicht radioaktiv belastet. Sie waren bis zum vergangenen Sommer vom damaligen Betreiber Helmholtz Zentrum in andere niedersächsische Bergwerke gebracht worden. Nach eigenen Messungen hatte das Bundesamt der Wiederaufnahme der Transporte vor kurzem zugestimmt.

Neben den von außen einfließenden Laugen hat sich in der Asse vor der Einlagerungskammer Nr. 12 ein Sumpf aus radioaktiv kontaminierter Salzlösung gebildet. "Die Kontaminationen der Salzlösung stammen, wie neuere Untersuchungen zeigen, aus den Abfällen der Einlagerungskammer 12", heißt es in dem BfS-Bericht.

Die Lösung mit "Kontaminationen oberhalb der Freigabewerte" bleibe unter Tage und werde dort gesondert überwacht. Der frühere Betreiber Helmholtz Zentrum München hatte die belasteten Salzlösungen aus dem Sumpf vor Kammer 12 ohne strahlenschutzrechtliche Genehmigung innerhalb des Bergwerkes transportiert. Die Flüssigkeit war von der 750-Meter-Sohle durch ein Bohrloch in den sogenannten Tiefenaufschluss in etwa 975 Metern Tiefe gebracht worden.

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