Rückstellproben entdeckt

Asse-Laugen an weiteren Orten aufgetaucht

Lauge aus dem Atommülllager Asse ist in mehr Orte gebracht worden als bislang bekannt. Das Umweltministerium in Hannover bestätigte am Donnerstag auf ddp-Anfrage den Transport von weiteren rund 190 Kubikmeter Lauge in zwei Orte im Kreis Hildesheim im Jahr 2007.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Hildesheim/Wolfenbüttel (ddp/sm) - Dies habe die Durchsicht einer Liste von Rückstellproben aus dem Bergwerk Asse ergeben.

64 Kubikmeter wurden laut Ministerium als "Bohrspüllauge" in das stillgelegte Kaliwerk "Desdemona" in Godenau gebracht. 127 Kubikmeter seien im Betonwerk "Heidelberger Beton" in Nordstemmen zur Herstellung von Salzbeton verwendet worden. Bisher waren nur die früheren Salzbergwerke "Hope" (Kreis Soltau-Fallingbostel), "Mariaglück" (Kreis Celle) sowie ein Schacht in Bad Salzdetfurth als Zielorte für Lauge aus der Asse bekannt.

Dem Umweltministerium zufolge sind zehn Prozent der jetzt entdeckten Rückstellproben analysiert worden. Hinweise auf eine unzulässige radioaktive Belastung der Laugen oder von Personen gebe es nicht. Der Landkreis Hildesheim sei über die Transporte informiert worden, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag kritisierten, dass das Ministerium erst jetzt über die neuen Laugenfunde informiert habe. "Es bleibt dabei, nur scheibchenweise kommt die Wahrheit ans Licht", sagte der Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel.

Für "nicht ausgeräumt" hält der Grünen-Politiker zudem seinen Verdacht, dass weniger radioaktive mit stärker kontaminierter Lauge aus der Asse "verpanscht" worden sein könnte. Die Belastung der nach außerhalb gebrachten Laugen liege zwar unter den Freigabewerten der Strahlenschutzverordnung, teilweise aber oberhalb der Werte, die durch natürliche Radioaktivität, Atombombenversuche und Tschernobyl-Fallout zu erklären seien.

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