Forderungen

Asse-Kritiker dringen auf Vollzug des Betreiberwechsels

Bürgerinitiativen dringen auf einen zügigen Vollzug des angekündigten Betreiberwechsels für das Atommülllager Asse. Die Übertragung der Verantwortung auf das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ziehe sich "lähmend in die Länge", sagte der Sprecher des Koordinationskreises Asse II, Udo Dettmann.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Hannover/Wolfenbüttel (ddp-nrd/sm) - Der zunächst für den 24. September in Aussicht gestellte Kabinettsbeschluss zum Betreiberwechsel sei mehrfach verschoben worden und solle nun am 14. Oktober fallen.

"Die Asse-Anwohner fühlen sich langsam verkohlt und glauben keinen Versprechungen oder Ankündigungen mehr", sagte Dettmann. Nach zahlreichen Pannen im Bergwerk Asse und Versäumnissen von Betreibern und Behörden hatten Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) Anfang September mitgeteilt, dass künftig das BfS das Atommülllager betreiben soll. Bisheriger Betreiber ist das Helmholtz-Zentrum München.

Voraussetzung für sichere Schließung

Der Vollzug des Betreiberwechsels sei Voraussetzung für eine sichere Schließung der Asse und die ernsthafte Prüfung der Alternativen, sagte Dettmann. "Solange das BfS kein Betreiber ist, kann es keinen Optionenvergleich geben." Das Helmholtz-Zentrum hatte beantragt, das Bergwerk mit einer Magnesiumchlorid-Lösung zu fluten. Anwohner und Bürgerinitiativen verlangen dagegen, dass die Rückholung zumindest eines Teils der radioaktiven Asse-Abfälle geprüft wird.

Vor einer Entscheidung müsse geklärt werden, welche radioaktiven Stoffe sich überhaupt in der Asse befänden, sagte Dettmann. Es gebe nach wie vor "keine richtige Inventarisierung" des eingelagerten Materials. Eine Überprüfung könne erfolgen, indem die Einlagerungskammern und Fässer aufgebohrt und dort Kameras eingelassen würden.

Die Bürgerinitiativen forderten am Montag auch, dass die Messungen im und am Bergwerk Asse besser koordiniert und regelmäßig veröffentlicht werden sollen. Bislang messen so viele unterschiedliche Stellen und Ämter die Radioaktivität in der Luft, im Wasser, in Pflanzen und Lebensmitteln, "dass keiner mehr durchblickt", sagte Dettmann.

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