Neue Berichte

Asse: Hat Kohl-Regierung im großen Stil getrickst?

Der Kohl-Regierung wird ein großangelegtes Täuschungsmanöver bei der Verteidigung der Asse als Atommüll-Endlagerstätte vorgeworfen. So sei ein Wissenschaftler, der über den Wassereinbruch berichten wollte, dazu gedrängt worden, sein Manuskript zu "überarbeiten".

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - Nur mit üblen Tricks und unbeeindruckt von den brutalen Gefahren für die Bevölkerung seien damals die Argumente für die Kernenergie verfochten worden, sagte Grünen-Chefin Claudia Roth am Sonntag zu einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Laut dem Magazin hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) jahrelang einen Wassereinbruch im Atommüll-Endlager Asse vertuscht, um den Fortbestand der Atomkraft in Deutschland nicht zu gefährden.

Dem Bericht zufolge hatte ein Wissenschaftler 1996 in seiner Habilitationsschrift veröffentlichen wollen, dass seit 1988 an mehreren Stellen Salzlösungen in die Stollen tropften und dass diese Flüssigkeit von außen in das Bergwerk eindrang. Damit sei klar gewesen, dass die Müllkippe "abzusaufen droht". Laut "Spiegel" verlangten Mitarbeiter des staatlichen Betreibers und des Bundesforschungsministeriums jedoch vom Autor, alle Hinweise auf die Asse zu "überarbeiten".

"Die Politik der schwarz-gelben Atomlobby fußt auf einer einzigen großen Sicherheitslüge", sagte Roth. Das zeigten diese Belege erneut. Wenn die Regierung verantwortlich im Sinne der Sicherheit der Bevölkerung handeln würde, müsste sie sofort den Salzstock Gorleben aufgeben, am Atomkonsens festhalten, alte Meiler abschalten und in großem Stil in die erneuerbaren Energien investieren. Die Grünen-Politikerin forderte zudem, dass "sämtliche Akteure, die am Desaster der Asse beteiligt waren", zur Verantwortung gezogen werden. Auch die Rolle, die der damalige Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) spielte, müsse lückenlos aufgeklärt werden, sagte Roth.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Ökostromrechner

    Kabinett segnet Ökostrom-Reform ab

    Wie geht es weiter mit dem Ökostrom-Ausbau in Deutschland? Lange konnten sich Bund und Länder nicht einigen, aber nun hat sich die EEG-Reform auch ihren Weg durch das Bundeskabinett gebahnt.

  • Elektroauto

    Kaufprämie für Elektroautos erntet nicht nur Beifall

    Für E-Autos steht erneut die Kaufprämie zur Diskussion, schließlich steht auch das Ziel der Bundesregierung zu der Verbreitung der Fahrzeuge auf dem Spiel. Die Elektroprämie findet aber nicht nur Befürworter: Kritiker sehen sie vielmehr als zweischneidiges Schwert.

  • Energieversorung

    Gorleben-Untersuchungsausschuss ist beschlossen

    Die Ungereimtheiten in der Atomendlagersuche von Gorleben sollen parlamentarisch aufgeklärt werden. Mit den Stimmen der Opposition aus SPD, Linken und Grünen beschloss der Bundestag am Freitag in Berlin die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses.

  • Stromtarife

    Baden-Württemberg will Atompolitik zusammen mit EnBW entwerfen

    Das Land Baden-Württemberg will gemeinsam mit dem Energiekonzern EnBW ein Konzept für die zukünftige Energiepolitik entwickeln. So ließen sich die Bürger leichter überzeugen, dass die Kernenergie als Brückentechnologie noch gebraucht werde, hieß es aus Stuttgart.

  • Hochspannungsmasten

    Atomstreit: Röttgen könnte wegen Gorleben Klage drohen

    Im Zuge der Abstimmung über den Etat des Umweltministers kam es erneut zu einem Schlagabtausch zwischen Regierung und Opposition. Unterdessen kündigte die Umweltschutzorganisation Greenpeace an, eine Klage gegen Röttgen wegen seiner Gorleben-Pläne zu prüfen. Röttgens Vorgehen sei "illegal."

Top