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Asse: Betreiber gibt Zwischenfälle bei Einlagerung zu (Upd.)

In die Kammern des Salzbergwerks Asse II bei Wolfenbüttel ist offenbar bereits vor Beginn der Einlagerung von Atommüll im Jahr 1967 salzhaltige Lauge geflossen. Zudem soll es verschiedene Zwischenfälle gegeben haben.

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Wolfenbüttel (ddp/sm) - In die Kammern des Salzbergwerks Asse II bei Wolfenbüttel ist offenbar bereits vor Beginn der Einlagerung von Atommüll im Jahr 1967 salzhaltige Lauge geflossen. Befragungen früherer Mitarbeiter hätten ergeben, "dass auf der 750-Meter-Sohle bereits vor der Zeit der Einlagerung Laugen vorhanden waren", teilte der Asse-Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, am Donnerstag mit. Zudem habe die Befragung ergeben, dass es bei der Einlagerung mehrfach zu Zwischenfällen gekommen sei.

Um ein sicheres Absetzen der Atommüll-Fässer auf trockenem Salz zu gewährleisten, hätten die Bergleute damals die Einlagerungssohlen um 1,5 bis 2,5 Meter erhöht, teilte das Helmholtz-Zentrum mit.

Bislang hatten Betreiber und Behörden erklärt, dass erst seit 1988 Lauge in das Atommülllager fließt. Es handelt sich dabei um rund zwölf Kubikmeter pro Tag. Der Betreiber entsorgte die Lauge über Jahre in anderen stillgelegten Bergwerken Niedersachsens, im Juni stoppte das Umweltministerium in Hannover diese Transporte. Seitdem wird die Lauge, die nach unterschiedlichen Berichten radioaktiv belastet ist, auf dem Asse-Betriebsgelände im Kreis Wolfenbüttel gelagert. Die Nachbarschächte Asse I und Asse III waren bereits in früheren Jahren voll Wasser gelaufen.

In der Asse lagern in mehreren Hundert Metern Tiefe rund 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. Darunter sind auch mehrere Kilogramm hochgiftiges Plutonium. Das Helmholtz-Zentrum räumte ein, dass entgegen früheren Erklärungen auch flüssige radioaktive Abfälle in das Lager gebracht wurden. "In der Regel" hätten die Anlieferer diese Abfälle jedoch verfestigt, indem sie diese mit Bitumen oder Beton übergossen hätten. Die Einlagerung von Atommüll wurde 1978 gestoppt.

Die Befragung der etwa 20 ehemaligen Beschäftigten hat nach Angaben des Helmholtz-Zentrums auch ergeben, dass es bei der Einlagerung mehrfach zu Zwischenfällen kam. "Besondere Vorkommnisse, wie etwa eine Anlieferung, bei der die Fässer auf dem Lkw Regenwasserkontakt bekamen und die Ladefläche entsprechend gereinigt werden musste, sind bekannt", heißt es in einer schriftlichen Erklärung des Betreibers. Auch unter Tage sei es bei der Anlieferung der Fässer «vereinzelt zu Oberflächenkontaminationen» durch undichte Verschlüsse der Fässer oder durch Tauwasser von schneebedeckten Fässern gekommen.

Besonders schwerwiegende Vorkommnisse seien dem Bergamt gemeldet worden, sagte Helmholtz-Sprecher Heinz-Jörg Haury. Er nannte als Beispiel "die großflächige Kontamination vor der Kammer 12 auf der 750-Meter-Sohle durch ausgelaufene Fässe". Die radioaktiv verstrahlten Bereiche des Salzbodens seien abgetragen und in die Lagerkammern für radioaktive Abfälle gebracht worden. Haury zufolge ist davon auszugehen, dass sich in vielen Atommüllfässern sogenanntes "Überschusswasser" gebildet hat. "Da diese Fässer teilweise schnell korrodieren, könnten sich im Sohlenbereich bereits heute kontaminierte Flüssigkeiten befinden", sagte der Sprecher.

Asse-Betriebsleiter Günther Kappei sagte, dem Betreiber sei an einer vollständigen Aufklärung aller Vorkommnisse gelegen. Die neuen Erkenntnisse würden genau geprüft. Die zuständigen Behörden und Ministerien seien bereits über die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung informiert worden.

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