Streit um Atommüll

Asse: Betreiber bestätigt Lieferung von Graphitkugeln

Im Atommülllager Asse lagern offenbar auch rund 100 Fässer mit kugelförmigen Brennelementen aus einem Versuchsreaktor im Kernforschungszentrum Jülich. Der Betreiber sowie das Bundesforschungsministerium und das niedersächsische Umweltministerium dementierten, dass es sich dabei um hoch radioaktive Abfälle handelt.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Wolfenbüttel/Jülich (ddp/sm) - Wie die Nachrichtenagentur ddp bereits am Freitag unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente berichtet, wurden die aus Graphit bestehenden bestrahlten Kugeln zwischen 1973 und 1976 in das Bergwerk Asse gebracht. Der Betreiber des Atommülllagers, das Helmholtz-Zentrum München, bestätigte die Lieferung.

Betreiber: Nur mittel radioaktive Abfälle

Der Sprecher des Helmholtz-Zentrums, Heinz-Jörg Haury, sagte am Freitag, dass in früheren Jahren bestrahlte Graphitkugeln aus einem Versuchsreaktor in Jülich in die Asse gebracht worden seien. "Dabei handelte es sich jedoch um mittel radioaktive Abfälle", betonte Haury. Er berief sich dabei auf das neue TÜV-Gutachten, nach dem es in der Asse keine hoch radioaktiven Abfälle gibt.

Der Staatssekretär im Bundesforschungsministeriums, Frieder Meyer-Krahmer, sagte, es gebe keine Indizien dafür, dass sich in der Asse hoch radioaktive Abfälle befänden. "Hier werden auf unverantwortliche Art und Weise Unwahrheiten verbreitet und Menschen verunsichert", sagte Meyer-Krahmer. Das TÜV-Gutachten habe nicht nur festgestellt, dass in der Asse keine hoch radioaktiven Abfälle lagern. Es widerlege auch den Vorwurf, dass es in dem Atommülllager Fässer mit hoch radioaktiven Müll aus dem Ausland gebe.

Zweifel an TÜV-Gutachten

Michael Fuder vom Asse-II-Koordinationskreis bezweifelte indes die Aussagefähigkeit des TÜV-Gutachtens. Die Aussage, dass sich in den Fässern kein hoch radioaktives Material befinde, gründe sich alleine auf der Analyse von Akten. Was wirklich in den Fässern sei, wisse man nicht, sagte Fuder.

Die zwischen 1973 und 1976 aus Jülich angelieferten kugelförmigen Brennelemente seien im Wesentlichen zur Materialprüfung verwendet worden und strahlten deshalb nicht stark, sagte Helmholtz-Sprecher Haury. Seines Wissens habe es sich um acht Fässer mit Graphitkugeln gehandelt. ddp vorliegende Dokumente belegen, dass in dem fraglichen Zeitraum mindestens 94 Fässer mit Graphitkugeln aus Jülich in die Asse gebracht wurden. Die Linke im niedersächsischen Landtag sprach sogar von "mehr als 300 Fässern mit hoch radioaktivem Atommüll".

Die Grünen im Landtag forderten das Umweltministerium auf, eine exakte Definition von mittel und hoch radioaktivem Müll vorzulegen. Die Akten zeigten, dass diese Definition schon damals strittig war, sagte Fraktionschef Stefan Wenzel. Die SPD forderte, dem Betreiber die Verantwortung für die Asse zu entziehen. Dass dieser erst jetzt einräume, dass sich schon seit Beginn der Atommülleinlagerung Lauge in dem Bergwerk befinde, sei unverschämt und gedankenlos, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Marcus Bosse.

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