Engpässe unwahrscheinlich

Anhaltende Hitze wirkt sich auch auf Stromversorgung aus

Die Lage ist ernst - aber nicht dramatisch. Während in Frankreich, Italien und den Niederlanden vorübergehende Stromabschaltungen nicht mehr ausgeschlossen werden, haben die deutschen Versorger nach eigenen Angaben die Lage (noch) im Griff. Für verschiedene Atomkraftwerke wurden jetzt Ausnahmegenehmigungen erteilt.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Die seit Tagen andauernde Hitze macht auch den deutschen Stromversorgern zu schaffen. Die Regierungen von Bayern und Baden-Württemberg haben bereits zu Beginn der Woche Ausnahmeregelungen für vier Atomkraftwerke (AKW) erlassen, die Flusswasser zur Kühlung einsetzen. Schon in der vergangenen Woche hatten die Betreiber die Leistung der meisten Atomkraftwerke in Deutschland gedrosselt.

Die AKWs Neckarwestheim und Philippsburg dürfen nun eine Woche lang bis zu 30 Grad (bisher: 28 Grad) warmes Kühlwasser in Rhein und Neckar ableiten. Auch Isar 1 und Isar 2 dürfen um zwei Grad (jetzt: 27 Grad) wärmeres Kühlwasser ableiten, dies wurde von Bayern für einen Zeitraum von vier Wochen genehmigt. E.ON hat eine solche Sondergenehmigung auch für Grafenrheinfeld beantragt.

Die französische Industrieministerin Nicole Fontaine schloss vorübergehende Stromabschaltungen nicht mehr aus, auch in Italien und Portugal gibt es Engpässe. An der Leipziger Strombörse verdoppelte sich der Preis für eine Megawattstunde auf über 50 Euro. Die deutschen Versorger versichern indes Stabilität. Die EnBW teilte mit, dass die Lage aufgrund der hohen Wassertemperaturen der baden-württembergischen Flüsse und des extrem niedrigen Wasserstandes zwar unverändert ernst sei und zu Engpässen führe, die vom Umweltministerium erteilte Erlaubnis, kurzfristig die Verdunstungswassermenge zur Kühlung der Kraftwerke zu erhöhen und die zulässige Temperatur des Gewässers nach Einleitung der Kühlwasser zu überschreiten, hätte die Situation jedoch entspannt.

Auch die Darmstädter HEAG beruhigt: "Auch wenn viele Haushalte zurzeit wegen Klimaanlagen, Ventilatoren oder Kühlgeräten mehr Strom verbrauchen, wird dies durch eine geringere Nachfrage der Industrie mehr als ausgeglichen. Werksferien und die Konjunkturschwäche lassen hier den Verbrauch eher sinken. Außerdem gibt es in Deutschland eine Sicherheitsreserve, die verhindert, dass hierzulande die Lichter ausgehen. Fällt ein Kraftwerk aus, wird dies im Stromverbund durch andere Kraftwerke ausgeglichen", heißt es in einer Mitteilung. In Mannheim werden ebenfalls nicht die Lichter ausgehen. Die MVV Energie AG kann die Versorgungssicherheit mit eigenem Kraftwerk und funktionierendem Energiehandel gewährleisten und plant keinerlei Abschaltungen.

Dennoch rufen sowohl Stromversorger als auch Umweltverbände derzeit zum besonders sparsamen Verbrauch von Energie auf.

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