Ehemals Bewag-Aktionär

Amerikanischer Energieriese meldet Insolvenz an

Amerikas Energiemarkt bleibt nach der Enron-Pleite instabil: Zu Beginn der Woche hat der Energieriese Mirant Insolvenz angemeldet. Zu den Gläubigern gehören auch deutsche Banken. Mirant war 2001 Aktionär bei der Berliner Bewag und verhandelte wochenlang hartnäckig mit Vattenfall über die Ausgestaltung der sogenannten "Neuen Kraft".

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Der amerikanische Energiekonzern Mirant (Atlanta) ist zahlungsunfähig und hat daher zu Beginn dieser Woche Insolvenz und Gläubigerschutz nach Artikel 11 des US-Konkursrechts beantragt. Den 20,6 Milliarden Dollar an Aktiva stehen laut Firmenchefin Marce Fuller 11,4 Milliarden Dollar an Schulden gegenüber. Einen Sanierungsplan gibt es bisher noch nicht, da verschiedene Gläubiger ihre Unterstützung verweigert haben.

Die Pleite ist eine Spätfolge der Enron-Insolvenz vom Dezember 2001, die den amerkanischen Energiemarkt destabilisiert hatte. Der Energiehandel war zusammengebrochen, das Vertrauen in dieses Geschäftsmodell ist durch die Bilanzfälschung von Enron nachhaltig erschüttert worden. Zudem leidet die Branche unter Überkapazitäten und zu niedrigen Preisen. Neben Mirant haben auch die beiden Energieversorger National Energy Group und die NRG Corp. in diesem Jahr Insolvenz angemeldet. Wie es bei Mirant jetzt weiter geht, ist noch völlig offen. Laut einem Bericht der Financial Times Deutschland wurde der vom Management vorgelegte Sanierungsplan von den Gläubigerbanken, zu denen auch zahlreiche deutsche Banken gehören, abgelehnt.

Mirant ist auch in Deutschland ein alter Bekannter. Als Minderheitsaktionär bei der Berliner Bewag hatte das Unternehmen im Sommer 2001 mit dem schwedischen Konzern Vattenfall über die Bildung der sogenannten "Neuen Kraft" verhandelt, wollte die Pläne von Vattenfall teilweise sogar stoppen und selbst europaweit expandieren. Quasi über Nacht verkaufte Mirant die Anteile dann allerdings im Herbst 2001 an HEW und zog sich aus dem europäischen Markt zurück. Damit wird die Pleite für den deutschen Energiemarkt wohl folgenlos bleiben.

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