Amerikanisch-deutsches Bieterkonsortium vereinbart: NRG und EnBW bieten um VEAG mit

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Wenn sich Zwei streiten, freut sich der Dritte: Nach dem wochenlangen Hin und Her zwischen dem amerikanischen Energieunternehmen Southern Energy und dem nordischen Duo HEW und Vattenfall um die Zukunft der Berliner Bewag und den Verkauf des ostdeutschen Braunkohlevertromers VEAG hat sich jetzt ein neuer Akteur eingeschaltet. Die amerikanische NRG Energy, Inc. und die deutsche EnBW Energie Baden-Württemberg AG streben gemeinsam den Erwerb der zur Veräußerung stehenden Aktienmehrheit an der Vereinigte Energiewerke AG (VEAG) an. "Wir wollen die VEAG als eigenständiges Unternehmen erhalten und zu einer führenden Wettbewerbskraft im deutschen Strommarkt entwickeln", erklärten NRG-Präsident Dave Peterson und EnBW Vorstandsmitglied Dr. Klaus J. Kasper am Mittwochabend in Berlin bei der Erläuterung der Ziele des zwischen beiden Unternehmen in diesen Tagen vereinbarten Bieterkonsortiums.


Eine Beteiligung von Stadtwerken an der VEAG wird von den Konsortialpartnern NRG und EnBW ausdrücklich als Ziel genannt. Auch für eine spätere Beteiligung anderer Unternehmen sei das gemeinsame Konzept einer künftigen VEAG-Gruppe offen, betonten Dave Peterson und Dr. Klaus J. Kasper übereinstimmend. Die Braunkohleunternehmen Laubag und Mibrag (an Mibrag ist NRG bereits zu 33 Prozent beteiligt) seien wesentliche und feste Bestandteile des VEAG-Konzepts von NRG und EnBW. Sitz der eigenständigen VEAG sei und bleibe Berlin. Beide Konsortialpartner verfügten auch über "die notwendige Bonität, um glaubwürdig zu machen, die Zukunft der VEAG langfristig und dauerhaft sichern zu können und die Verpflichtungen gegenüber Politik und Gesellschaft dauerhaft und zweifelsfrei erfüllen zu können."


Kartellrechtliche Hindernisse gegen das amerikanisch-deutsche Bieterkonsortium erwarten NRG und EnBW nicht: Das gemeinsame Konzept sehe ausdrücklich vor, dass die VEAG auch künftig unabhängig von der EnBW im Markt operieren kann. Dies werde unter anderem durch den geplanten Ausbau der VEAG-Vetriebskompetenz unterstrichen, aber auch durch die vereinbarte Mehrheitsbeteiligung von NRG an VEAG sichergestellt. Schließlich stehe NRG in keinerlei Verpflichtung gegenüber anderen Wettbewerbern im deutschen Energiemarkt, die Anlass zur Besorgnis von Wettbewerbsverzerrungen bieten könnten.


Die vereinbarte Partnerschaft von NRG und EnBW in einem VEAG-Bieterkonsortium begründeten Dave Peterson und Dr. Klaus J. Kasper mit den "sich ideal ergänzenden Kompetenzprofilen beider Unternehmen." Die Bündelung des Anlagen- und Produktions-Know-how des weltweit fünft größten unabhängigen Stromerzeugers (IPP) mit der im liberalisierten europäischen Energiewettbewerb erfolgreichen Marktkompetenz und Kundenorientierung der EnBW könne auch der "Motor für den Erfolg der neuen VEAG werden."


Einzelheiten des geplanten Kaufangebots an die bisherigen VEAG-Mehrheitseigentümer konnten NRG-Präsident Peterson und EnBW Vorstandsmitglied Dr. Kasper noch nicht nennen. Die bis zum 15. November 2000 währende Frist zur Legung von Kaufangeboten lasse genügend Zeit, um dieses Angebot sorgfältig auszuarbeiten. Die Chancen, beim Verkauf der VEAG-Anteile zum Zuge zu kommen, beurteilten Peterson und Dr. Kasper übereinstimmend optimistisch: "Wir stehen mit den guten Namen unserer Unternehmen und mit unserem VEAG-Konzept für eine langfristige, dauerhafte Sicherung dieser für die Zukunft der ostdeutschen Wirtschaftsstruktur so wichtigen Unternehmensgruppe ein - das wird auch die Entscheidungsträger in diesem Verfahren nicht unbeeindruckt lassen."

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