Billig-Rückbau

AKW soll stehen bleiben, bis die Strahlung abklingt

Mit dem Abschalten eines Atomkraftwerkes sind nicht alle Probleme gelöst, denn auch der Rückbau verursacht erhebliche Kosten. Derzeit werden in Deutschland zwei verschiedene Strategien gefahren. Der Eigentümer des AKW Lubmin hat einem Bericht zufolge eine alternative Idee, die vor allem Geld sparen soll - doch Umweltschützer sind alarmiert.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (red) - Die Energiewerke Nord (EWN) planen, das Kraftwerk zunächst 50 Jahre stehen zu lassen, bis die Radioaktivität im Gebäude von selbst abgeklungen ist. Danach soll die Anlage ganz normal eingerissen werden. Diese Strategie soll aus einem Gutachten ersichtlich sein, das dem Nachrichtenmagazin Spiegel vorliegt.

So läuft der Rückbau normalerweise

Das Gutachten soll von der Beratungsfirma Brenck Systemplanung erstellt worden sein, so der Spiegel. Die genannten Maßnahmen sollen vor allem die Kosten für den Rückbau drücken, die bei alternativen Strategien sehr hoch sind. Derzeit wird entweder die komplette Atomanlage abgesperrt, bis die Radioaktivität abgeklungen ist, oder das Kraftwerk wird sofort abgebaut. In letzterem Falle werden radioaktiv belastete Maschinen gesäubert und zerlegt, Wände und Böden werden so lange abgefräst, bis die Strahlung unter den zulässigen Werten liegt. Danach wird die Anlage abgerissen.

Angeblich Ersparnis im dreistelligen Milliardenbereich

Den Angaben des Spiegel zufolge planen die EWN, mit den Maschinen wie beschrieben zu verfahren, die Gebäude aber einfach stehen zu lassen und nicht weiter zu behandeln. So würde sich ein dreistelliger Milliardenbetrag einsparen lassen, wie EWN-Chef Henry Cordes schätzt, der Schutt könnte im Straßenbau wiederverwendet werden. Die ursprünglichen Pläne sollen so weit gegangen sein, dass man auch austretende Radioaktivität in Kauf genommen hätte, wenn sich so der Kostenaufwand für die Erhaltung der Gebäude beschränken ließe. Dies sei jedoch schon auf Landesebene abgeschmettert worden.

Abriss ohne erneute Strahlungsmessung

Entsorgungskommission und Strahlenschutzkommission sollen die Pläne nun prüfen, auch dahingehend, ob sie als allgemeine Anforderungen für den Rückbau auch anderer AKW verwendet werden können. Ebenfalls geprüft werden muss, wie oft die Radioaktivität im abgeschalteten AKW geprüft werden muss - dem Gutachten zufolge nur einmal, bevor die Anlage geschlossen wird. Nicht einmal vor dem Abriss soll erneut gemessen werden. Grünen-Sprecherin Sylvia Kotting-Uhl spricht angesichts dieser Idee von "bedenkenloser Schlampigkeit".

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