Unsichere Anlage

AKW Obrigheim soll länger laufen als geplant / Grüne weigern sich

Der Energieversorger EnBW plant offenbar, ein Stromkontingent vom Atomkraftwerk Neckarwestheim auf das Atomkraftwerk Obrigheim zu übertragen, um die Laufzeit des Kraftwerks in Obrigheim zu verlängern. Die Grünen im Baden-Württembergischen Landtag halten das für einen "Treppenwitz" und lehnen es ab.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Der Stuttgarter Energieversorger EnBW hat bei der Bundesregierung eine Übertragung des Stromkontingents beantragt, um die Laufzeit des Atomkraftwerks Obrigheim verlängern zu können. Eine entsprechende Zusage von Bundeskanzler Schröder soll Presseberichten zufolge bereits vorliegen. Die Grünen in Baden-Württemberg bezeichneten den Vorgang als "Treppenwitz" und lehnten das Anliegen mit Blick auf die Terrorangriffe des 11. September ab: ""Vor diesem Hintergrund kann es nicht sein, von der neuesten und in Bezug auf Flugzeugabstürze relativ sichersten Anlage Strommengen auf die älteste und gerade Flugzeugabstürze betreffend unsicherste Anlage übertragen zu wollen."

Der Landtagsabgeordnete Jürgen Walter wies darauf hin, dass die Betonkuppel von Neckarwestheim II eine Stärke von 200 Zentimetern aufweise, während die Kuppel des in den 60er Jahren errichteten Kraftwerks Obrigheim weniger als 70 Zentimeter dick ist. Diese Reaktorkuppel sei nachweislich nicht einmal gegen den Absturz eines wesentlich leichteren Kampfjets vom Typ Starfighter ausgelegt. Hinzu komme, so Walter, dass der Reaktor in Obrigheim nach Auffassung der Grünen quasi einem Schwarzbau gleichkomme, weil er anders errichtet als genehmigt wurde. Dieses auch in einem Minderheitenvotum zum KWO-Untersuchungsausschuss des Landtags festgestellte Ergebnis ist derzeit Gegenstand eines Gerichtsverfahrens beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim, so Walter weiter.

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