Energiepolitik

AKW-Laufzeiten: CSU will zwei Jahrzehnte zusätzlich (Upd.)

Die CSU will die Laufzeiten von Atomkraftwerken in Deutschland "um mindestens zwei Jahrzehnte" verlängern. Das von Erwin Huber und Markus Söder gemeinsam erarbeitete Papier zur Energiepolitik soll am kommenden Wochenende auf einer CSU-Klausurtagung beschlossen werden.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

München (ddp/red) - Der CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe), ein entsprechendes Energiekonzept auch zu den AKW Laufzeiten wolle der Parteivorstand bei seiner Klausur am kommenden Wochenende beschließen. In dem notwendigen "Energiemix" müssten sowohl erneuerbare Energien wie Sonne und Wind als auch Atomstrom eine wichtige Rolle spielen.

Huber hat das Energie-Papier gemeinsam mit dem bayerischen Umweltminister Markus Söder (CSU) verfasst. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Landtags fügte hinzu, das Konzept solle die Grundlagen einer "sicheren, klimafreundlichen und wirtschaftlichen Energieversorgung" Bayerns in den nächsten 20 Jahren beschreiben. Dabei gehe es um einen "Dreiklang aus Sparen, Effizienz und Innovation".

Bayerns Grünen-Chef Dieter Janecek kritisierte, die Pläne der CSU seien "etwa so modern wie eine Dampfmaschine". Er fügte hinzu: "Anscheinend sind da einige Sicherungen durchgebrannt. Wer Atomkraftwerke über das Jahr 2040 hinaus laufen lassen will, spielt mit der Sicherheit und Leben der Bürgerinnen und Bürger." Außerdem behindere die Atomkraft den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Der Vorsitzende der Freien Wähler in Bayern, Hubert Aiwanger, nannte die Verlängerung der Atomkraftwerk-Laufzeiten "verantwortungslos". Die CSU mache "blinde Atompolitik mit einem grünen Feigenblatt zwischen den Zähnen". Aiwanger forderte zugleich: "Die AKW-Betreiber müssen endlich dazu verdonnert werden, für die Kosten der Atommüllendlagerung vollumfänglich aufzukommen."

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hatte bereits am Montag in einem ddp-Interview gesagt, die Kernenergie müsse als "Brückentechnologie" erhalten bleiben. Nur so könne die Bezahlbarkeit und die Sicherheit der Energieversorgung bewahrt bleiben. Ziel sei es jedoch, unabhängiger von der Nutzung der Kernenergie zu werden. Dies solle mit mehr Effizienz, mehr Sparsamkeit und dem Umstieg auf regenerative Energien geschehen.

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