Aktueller Gaspreisvergleich des VEA zeigt Wettbewerbsdesaster

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA), Hannover, hat seinen aktuellen Erdgaspreisvergleich (Stand: Oktober 2000) vorgestellt. "Das Ergebnis ist für die Kunden niederschmetternd", so Dr. Volker Stuke, Geschäftsführer des VEA. Innerhalb eines Jahres sind die Gaspreise für Industriekunden um nahezu 60 Prozent gestiegen. Die aktuelle VEA-Studie, an der sich wieder 44 Versorgungsunternehmen beteiligt haben, zeigt gravierende Preisunterschiede von bis zu 50 Prozent zwischen den Anbietern.


So kostet das Gas beim günstigsten Anbieter, der Schleswag in Rendsburg, 4 Pfennig pro Kilowattstunde (Pf/kWh), und beim teuersten Lieferanten, den Stadtwerken Heidelberg, 6 Pf/kWh. Trotz der Liberalisierung des Erdgasmarktes ist nach VEA-Beobachtungen noch kein Wettbewerbsdruck auf das im europäischen Vergleich hohe deutsche Preisniveau zu spüren. Im Gegensatz zu Großbritannien, wo sich die Gaspreise nach der Liberalisierung von der Ölpreisbindung gelöst haben, bestehe diese unheilvolle und nicht mehr gerechtfertigte Kopplung in Deutschland noch fort. Daher rechnet der VEA auch weiterhin mit stark steigenden Preisen. "Das Ende der Fahnenstange haben wir noch lange nicht erreicht. Im Januar und April müssen die Kunden aufgrund der vertraglichen Ölpreisbindung mit weiteren Preissteigerungen von bis zu 25 Prozent rechnen", so Stuke.


Auch die im August in Kraft getretene Verbändevereinbarung Gas, mit der die Gasnetze für Wettbewerber geöffnet werden sollten, hätte bisher keinerlei Fortschritte für die Kunden gebracht. Zum einen habe bisher nur ein verschwindend geringer Teil der 700 Gasversorgungsunternehmen ihre Durchleitungsgebühren pflichtgemäß veröffentlicht. Damit werde dem Wettbewerb wegen der fehlenden Transparenz die Grundlage entzogen. Zum anderen sei die Verbändevereinbarung aufgrund ihrer komplizierten Struktur ohnehin vielmehr wettbewerbsverhindernd denn -fördernd. "Jetzt ist die Politik gefordert. Sie muss regulierend in den Markt eingreifen und den Wettbewerb in Schwung bringen", so Stuke. Den industriellen Erdgaskunden rät der VEA, die Kündigung ihrer Lieferverträge zu prüfen und Preisnachlässe von den Lieferanten zu fordern.

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