Bilanz liegt vor

AGEB: Konjunktur bremst Anstieg des Energieverbrauchs im Jahr 2008

Deutschland hat im vergangenen Jahr mit 478 Millionen Steinkohleeinheiten knapp ein Prozent mehr Primärenergien verbraucht als 2007. Bestimmende Faktoren waren kühle Temperaturen und konjunkturelle Eintrübungen. Das geht aus der Jahresbilanz 2008 hervor, die die AGEB jetzt in Köln veröffentlichte.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (red) - Nach ersten Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) stieg der Primärenergieverbrauch in Deutschland im Jahr 2008 auf knapp 478 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (Mio. t SKE) oder auf rund 14 000 Petajoule (PJ). Das waren etwa ein Prozent oder reichlich 5 Millionen t SKE bzw. 159 PJ mehr als im Vorjahr, teilte die Vereinigung mit.

Zu diesem Anstieg habe vor allem die höhere Nachfrage nach Wärmenergien als Folge der im Vergleich zum Vorjahr kühleren Temperaturen beigetragen. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Energieträgern in den Monaten November und Dezember vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krisenerscheinungen insbesondere aus dem industriellen Bereich teilweise kräftig gesunken.

Der Verbrauch an Mineralöl sei im Jahresdurchschnitt um etwa fünf Prozent auf etwa 166 Mio. t SKE gestiegen. Diese Entwicklung ist laut AGEB insbesondere auf die stark expandierende Nachfrage nach leichtem Heizöl zurückzuführen. Dem Nachfrageanstieg um 36 Prozent in diesem Jahr stehe ein Rückgang von 34 Prozent im Vorjahr gegenüber. 2007 hätten viele Verbraucher beim leichten Heizöl eine starke Kaufzurückhaltung geübt. Diesel- und Flugkraftstoff verzeichneten wegen guter Verkehrskonjunktur 2008 einen Bedarfszuwachs von 3,4 sowie 1,4 Prozent. Die anderen Mineralölprodukte lägen dagegen überwiegend im Minus. Alles in allem habe sich der Anteil des Mineralöls am gesamten Energieverbrauch um knapp ein Prozent auf nahezu 35 Prozent erhöht.

Der Erdgasverbrauch sei im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um knapp ein Prozent auf 105,5 Mio. t SKE zurückgegangen. Die im Vergleich zum Vorjahr kühlere Witterung im ersten Halbjahr habe die Nachfrage bei den privaten Haushalten kräftig gesteigert. Deutlich, um fast 8 Prozent, habe sich auch der Erdgaseinsatz zur Stromerzeugung erhöht. Dagegen stagnierte der industrielle Erdgasverbrauch vor dem Hintergrund der konjunkturellen Eintrübung; in den Monaten November und Dezember gab es laut AGEB hier sogar einen drastischen Nachfrageeinbruch gegeben.

Der Verbrauch an Steinkohle sank im Jahre 2008 um etwas mehr als 7 Prozent auf 62,5 Mio. t SKE. Die Kraftwerke verringerten ihren Bedarf um nahezu 9 Prozent. Der Kohlenverbrauch der Stahlindustrie habe im Zuge der konjunkturellen Abschwächung um gut vier Prozent abgenommen. Der Wärmemarkt erreichte dagegen annähernd das Vorjahresniveau. Der Braunkohlenverbrauch lag mit 53 Mio. t SKE um 3,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Veränderung sei im Wesentlichen auf die geringere Verfügbarkeit der Kraftwerke zurückzuführen, an die üblicherweise mehr als 90 Prozent der Förderung gehen.

Die Stromerzeugung aus Kernkraftwerken erhöhte sich laut AGEB um 5,9 Prozent auf 55,4 Mio. t SKE. Der Beitrag der Wasserkraftwerke war niedriger als im Vorjahr (-3,9 Prozent), und der Beitrag der Windkraftanlagen stieg nach einem schwachen Ergebnis in den ersten neun Monaten insgesamt um 1 Prozent. Die Erneuerbaren Energien insgesamt legten um reichlich 7 Prozent auf 35,4 Mio. t SKE zu und erhöhten damit ihren Anteil am Primärenergieverbrauch leicht auf 7,4 Prozent (Vorjahr: 7,0 Prozent).

Der Bruttostromverbrauch sei 2008 erstmals seit Mitte der neunziger Jahre wieder niedriger als im Vorjahr (-0,3 Prozent); die gesamtwirtschaftliche Stromproduktivität, die seit 2000 tendenziell gesunken war, habe 2008 wie schon im Vorjahr deutlich zugenommen (+1,6 sowie 2,2 Prozent). Dagegen habe sich 2008 die Bruttostromerzeugung im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Deutlich gesunken sei allerdings die Stromerzeugung auf Stein- und Braunkohlenbasis ( 9,5 bzw. -3,3 Prozent). Auf der anderen Seite habe ein erhebliches Plus beim Erdgas (9,3 Prozent), bei den Mineralölprodukten (8,0 Prozent) und bei der Kernenergie (5,9 Prozent) gestanden.

Erneut steigerten laut AGEB aber auch die erneuerbaren Energien ihren Beitrag zur Stromerzeugung (6 Prozent), wobei die Erzeugung auf der Basis der Windenergie nur um wenig mehr als 1 Prozent zulegte. Der Anteil aller erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung macht nun 14,6 Prozent (Anteil am Stromverbrauch: 15,1 Prozent) aus; im Vorjahr betrug der Erzeugungsanteil noch 13,8 Prozent. Bei der Stromerzeugung rangiert die Braunkohle mit 23,5 Prozent knapp vor der Kernenergie (23,3 Prozent) an erster Stelle, gefolgt von der Steinkohle (20,1 Prozent) und dem Erdgas (13 Prozent). Im Jahr 2008 gab es mit 22,5 Milliarden Kilowattstunden wiederum einen Stromexportüberschuss, der sogar noch höher als im Vorjahr ausfiel.

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