Fehlkommunikation

Affäre Meyer: Ex-VEW-Führungskräfte zweifeln an RWE-Darstellung

Die Gehaltsaffäre um den ehemaligen CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer scheint trotz Rücktritt noch immer nicht erledigt. Die "Fehlkommunikation", die RWE als Ergebnis einer internen Untersuchung als Grund für die Zahlungen angab, wird von ehemals führenden Mitarbeitern der von RWE übernommenen VEW bezweifelt.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Darstellung des RWE-Konzerns zu den Hintergründen der Zahlungen an Ex-CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer wird von ehemals führenden Mitarbeitern des Ende 2000 von RWE übernommenen VEW-Konzerns in Zweifel gezogen. Das berichtete die "Berliner Zeitung" bereits vor den Feiertagen.

Den Schilderungen der Ex-VEWler zufolge soll Meyer von Mitarbeitern des für die Personalführung verantwortlichen früheren VEW-Finanzchefs Egbert Pottgießer (heute Vorstandschef der RWE-Tochter Systems) bereits 1999 aufgefordert worden sein, sich endgültig für die Politiker- oder die Managerlaufbahn zu entscheiden. Daraufhin sei der Aufhebungsvertrag samt Abfindung mit Wirkung zum 30. Juni 2000 mit Meyer ausverhandelt worden.

Diese Aufhebungsvereinbarung sei indes nicht zum Tragen gekommen, da das CDU-Mitglied Maichel als VEW-Konzernchef die Re-Aktivierung von Meyers Angestellten-Status zum 1. Juni 2000 durchgesetzt habe, schreibt das Blatt. Davon allerdings habe der Konzernchef die Pottgießer-Truppe nicht in Kenntnis gesetzt, so dass die mit Auszahlung der Abfindung die Aufhebungsvereinbarungen unverändert abgearbeitet hätten.

Wie sich die Ex-VEWler der Zeitung zufolge weiter erinnern, sei Maichel zuvor aus hochrangigen CDU-Kreisen - die Rede sei von Friedrich Merz - um die Reaktivierung des Vertrages gebeten worden. Mit dem Zusatzgehalt von VEW könne der wirtschaftsnahe Meyer auch als einfacher Landtagsabgeordneter in Düsseldorf bleiben und so den vom Wirtschaftsflügel der Partei nicht sonderlich geschätzten neuen NRW-Oppositionsführer Jürgen Rüttgers wenigstens halbwegs kontrollieren. Sowohl Maichel als auch Merz bestritten nach Angaben der Zeitung auf Anfrage allerdings vehement, dass sie seinerzeit in diesem Sinne über die Causa Meyer gesprochen hätten.

Zuvor hatte RWE die Ergebnisse der unternehmensinternen Untersuchung bekannt gegeben. Der Energiekonzern führt die Zahlungen auf "Fehlkommunikation" bei der damaligen VEW Energie AG und "mangelndes eigenverantwortliches Handeln" zurück. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, als Konsequenz aus der Gehalts-Affäre bis zum kommenden Sommer einen Verfahrenskodex für seine Mitarbeiter zu entwickeln. Damit soll den RWE-Beschäftigten die Sicherheit gegeben werden, dass "ihr Handeln im Unternehmen und ihr gesellschaftliches Engagement außerhalb des Unternehmens auf einem ethisch einwandfreien Fundament steht", erläuterte RWE-Chef Harry Roels.

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