Stromfresser

Abwrackprämie für den alten Kühlschrank

Hartz-IV-Empfänger spüren die hohen Strompreise besonders stark. Jenseits komplizierter Reformversuche bei der Ökostrom-Förderung soll ihnen nun mit einer Kühlschrank-"Abwrackprämie" geholfen werden. Dazu wird zunächst ein Stromspar-Check gemacht und wenn ein neuer Kühlschrank eine bestimmte Ersparnis verspricht, wird der Austausch mit 150 Euro gefördert.

Kühlschrank© fuzzbones / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Bisher saß der Umweltminister bei den Energie-Gipfeln neben Kanzlerin Angela Merkel auf dem Podium. Und durfte gewichtige Dinge zu Strompreis-Bremsversuchen verkünden. Die neue Ressortchefin Barbara Hendricks (SPD) ist außen vor, der ganze Energiebereich ist in das Wirtschaftsministerium abgewandert. Sie sitzt stattdessen am Mittwoch bei der Caritas. Während ein paar Stunden zuvor drüben im Kanzleramt ständig von der "Kostendynamik" die Rede war, die man durchbrechen müsse, stellt Hendricks ein Programm vor, dass armen Haushalten im Kampf gegen hohe Strompreise eine reale Entlastung bringen soll.

Neue Haushaltsgeräte sind teuer

"Die Lebensqualität der Menschen muss nicht leiden, wenn wir weniger Energie verbrauchen", betont sie. Doch gerade Bürger mit wenig Geld können sich die stromsparenden Geräte meist nicht leisten. Große Stromfresser sind oft die Kühlschränke. Bis Ende 2015 soll daher nun der Austausch von 16.000 alten Kühlschränken mit jeweils 150 Euro für den Kauf eines neuen Geräts unterstützt werden. Die "Abwrackprämie" richtet sich an Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld und soll in 67 Städten und Kreisen angeboten werden.

Das neue Programm wird angedockt an die "Stromspar-Checks" des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen (eaD) und des Deutschen Caritasverbands. Die Kühlschränke müssen älter als zehn Jahre sein. Zunächst wird der Verbrauch über 48 Stunden gemessen. Wenn errechnet wird, dass bei einem Austausch gegen ein Gerät der Effizienzklasse A+++ mindestens 200 Kilowattstunden im Jahr (rund 56 Euro Stromkosten) gespart werden können, wird ein Gutschein ausgehändigt. Das alte Gerät muss fachgerecht entsorgt werden. Wenn der Entsorgungsnachweis und die Rechnung für den neuen Kühlschrank eingereicht werden, werden schließlich die 150 Euro ausgezahlt.

Mit Stromsparhelfern sinken die Energiekosten

Im Gegensatz zu mancher Ineffizienz bei der Energiewende scheinbar gut investiertes Geld. Seit 2008 hat das Bundesumweltministerium die "Stromspar-Checks" mit rund 30 Millionen Euro gefördert. Wer dabei Stromsparhelfer in einkommensschwachen Haushalten begleitet, ist verblüfft, mit welch simplen Maßnahmen sich der Verbrauch drosseln lässt. Ein paar Sparlampen, abschaltbare Stecker, damit das alte Radio nicht unbemerkt Strom zieht und Wasserdurchlaufbegrenzer: Schon gehen die Kosten runter. Die Artikel werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Stromsparhelfer sind meist selbst Langzeitarbeitslose, die nach einer Schulung so zu Botschaftern des Energiesparens werden.

Altmaier versprach zu viel

Inzwischen wurden laut Caritas so mehr als 125.000 Haushalte mit geringem Einkommen in rund 150 Städten und Kreisen entlastet. Im ersten Jahr könnten bei Strom, Heizen und Wasser durchschnittlich 90 Euro eingespart werden und langfristig rund 540 Euro. Schon Hendricks Vorgänger Peter Altmaier (CDU) hatte das Thema Stromsparen stärker in den Fokus gerückt, auch weil das Einsparziel von zehn Prozent weniger Stromverbrauch bis 2020 (im Vergleich zu 2008) klar verfehlt werden könnte. Er kündigte für 2013 an, zusätzlich 50 bis 100 Millionen Euro in die Hand zu nehmen. Die Zusage hielt er dann aber nicht ein.

Strompreise steigen schneller als Hartz-IV-Satz

Der Caritas-Verband kritisiert, dass ein arbeitsloser Single 2013 beim Hartz-IV-Regelsatz nur 32,82 Euro für Strom angerechnet bekommen habe, obwohl die Strompreise um zwölf Prozent gestiegen seien. Ihm würden über neun Euro zur Deckung seiner realen Stromkosten fehlen. Es gibt kaum gesicherte Zahlen zu Stromsperren in Deutschland - aber gerade Einkommensschwache sind überproportional von Unwuchten der Energiewende betroffen, oft wird eine Umverteilung von unten nach oben kritisiert. Etwa weil jene Gruppe über die Stromrechnung und die darin enthaltene Ökostrom-Umlage die Renditen des Zahnarztes mitbezahlt, der sich eine Solaranlage auf das Dach geschraubt hat.

An der Realität vorbei?

Umweltschützer fordern ein solches Austausch-Programm schon lange, weil weniger Energie auch weniger CO2 bedeutet. Die Verbraucherzentrale NRW verweist auf Berechnungen des Zentralverbands Elektrotechnik, wonach fast die Hälfte der etwa 60 Millionen Kühl- und Gefriergeräte in deutschen Haushalten mindestens zehn Jahre alt seien. Aber die Grünen-Umweltpolitikerin Bärbel Höhn betont auch, für ein A+++-Gerät müsse man meist über 600 Euro auf den Tresen legen. "Das könnte an der Realität von Hartz-IV-Empfängern vorbei gehen", fürchtet Höhn.

Quelle: DPA

Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromvergleich

    Strompreise steigen vielfach zum Jahreswechsel

    Die Strompreise steigen zum neuen Jahr bei vielen Versorgern. Dem Portal Verivox zufolge haben gut 250 Stromanbieter angekündigt, die Preise zu erhöhen. Niedrigere Preise sind dagegen nur bei wenigen Anbietern zu erwarten.

  • Stromvergleich

    Mehrwertsteuer beim Strom: Staat kassiert rund 6 Milliarden Euro

    Strom ist in den letzten Jahren immer teurer geworden. Das liegt aber nicht nur an den Stromanbietern. Einen großen Teil des Strompreises machen nämlich Steuern und Abgaben aus.

  • Energietarife

    Pumpen-Oldtimer kosten 120 Euro mehr im Jahr

    Moderne Heizungspumpen sind energieeffizient und sparsam im Verbrauch. Bei älteren Modellen jedoch handelt es sich um wahre Stromfresser, erklärt die co2online GmbH. Rund 120 Euro ließen sich mit einem neuen Gerät im Jahr sparen, bereits nach drei bis fünf Jahren mache sich eine neue Anlage bezahlt.

  • Stromverbrauch

    Mängel bei jedem sechsten TV-Energielabel

    Das Energielabel soll Verbrauchern grundsätzlich eine Orientierung bei der Kaufentscheidung bieten. Bei stetig steigenden Strompreisen ist dies besonders wichtig. Der vzbv und der BUND konnten bei einer Stichprobe bei jedem sechsten TV-Gerät überhaupt kein oder aber ein fehlerhaftes Label feststellen.

  • Strom sparen

    Vattenfall und Co.: Neue Strompreis-Welle zum zweiten Quartal

    Ein Energieversorger erhöht die Preise und gleich zwei Metropolen sind betroffen: Mit rund drei Prozent Erhöhungen müssen sich die Hamburger und Berliner Einwohner ab dem 1.

Top