Am Wochenende

Abwarten: Energiegipfel erst Mitte Oktober / Keine Preiserhöhungen beantragt

Nicht wie geplant im September, sondern erst Mitte Oktober soll der Energiegipfel bei Bundeskanzler Schröder stattfinden. Es sollen zuvor Ergebnisse aus laufenden Kartellamtsuntersuchungen abgewartet werden. Laut "Spiegel" hat sich nun auch die Steag eingeschaltet. Das Unternehmen will jetzt Industriekunden mit Strom beliefern.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hamburg/Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Der erwartete Energiegipfel bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird angeblich erst Mitte Oktober stattfinden. Damit rechnen zumindest die großen Energieversorger, wie das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Wochenende vorab berichtete. Ein Grund für die Verschiebung des zunächst für September geplanten Gesprächs sei, dass Kanzleramt und Wirtschaftsministerium offenbar erste Ergebnisse der laufenden Kartellamtsuntersuchungen zu den aktuellen Strompreiserhöhungen abwarten wollten.

Parallel dazu hätten Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Vertreter des Kanzleramts in den vergangenen Tagen versucht, die Strommanager in vertraulichen Gesprächen zu Kompromissen für das Spitzentreffen zu bewegen, hieß es. Allerdings sei das bisher ohne Erfolg geblieben. Branchenprimus E.ON halte zwar an seinem Vorschlag fest, die Strompreise bis zur Einsetzung einer Regulierungsbehörde im kommenden Jahr einzufrieren. Jedoch habe das Unternehmen völlig überraschend Gegenleistungen der Bundesregierung, wie etwa eine Senkung der Ökosteuer, gefordert. Andere Konzerne wie RWE lehnten selbst ein Moratorium rundweg ab. Auf eine Senkung der Strompreise, wie von Clement angeregt, wolle sich bisher keiner der großen Energieversorger einlassen.

Die Energieversorger RWE und E.ON haben indes noch keine Anträge auf eine Strompreiserhöhung abgegeben. Bislang seien im nordrhein-westfälischen Energieministerium lediglich Anträge von zwei Stadtwerken eingegangen, berichtete die "Welt am Sonntag". Zur Abgabe der so genannten Kostenbögen bleibe RWE und E.ON nur noch bis 30. September Zeit.

Nach "Spiegel"-Informationen will die Ruhrkohle-Stromtochter Steag sich unterdessen zu einem Stromversorger mit eigenen Vertrieb für Industriekunden entwickeln. Mitten in den Verhandlungen mit RWE über einen millionenschweren Einstieg des Essener Versorgungsunternehmens bei der Steag habe RAG-Vorstandschef Werner Müller seinen Verhandlungskurs geändert, berichtete das Magazin. Unter der Leitung des ehemaligen Wirtschaftsstaatssekretärs Alfred Tacke, den Ex-Minister Müller vor drei Wochen anheuerte, soll das Unternehmen so ausgebaut werden, dass es auch Industriekunden beliefern könne. Ein im Mai unterzeichnetes Eckpunktepapier sah hingegen vor, dass die Steag künftig nur Kraftwerke betreiben und Strom für große Energieversorger bereitstellen werde.

Bei RWE stoßen Müllers Überlegungen dem Magazin zufolge auf wenig Gegenliebe. Zwar sei die Aussicht verlockend, sich über den Kauf einer etwa 25-prozentigen Beteiligung an der Steag langfristig Kraftwerkskapazitäten zu sichern. Damit zugleich einen künftigen Konkurrenten zu fördern, scheine den RWE-Managern aber widersinnig. Als Folge hätten die Verhandlungen mit RWE auf der Kippe gestanden. Erst nach intensiven Gesprächen zwischen Müller und RWE-Vorständen in der vorigen Woche scheine ein Abschluss wieder wahrscheinlich, heißt es im "Spiegel" weiter. Bei einem möglichen Kompromiss könnte nach dem üblichen Geschäftsgebaren der Stromwirtschaft die Steag bei ihrer Kundensuche das RWE-Versorgungsgebiet einfach aussparen.

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