Neues Gutachten

Abtransportierte Asse-Lauge kaum belastet

Die vom Atommülllager Asse in andere Bergwerke transportierte Lauge war nach Angaben der Landesregierung kaum radioaktiv belastet. Die zulässigen Grenzwerte seien weit unterschritten worden, wie ein neues Gutachten zeige. Allerdings entsprächen die Laugenmengen nicht den vom Betreiber gemachten Angaben.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover/Wolfenbüttel (ddp/sm) - Umweltstaatssekretär Stefan Birkner zufolge haben die Gutachter zurückgestellte Proben der abtransportierten Laugen auf die radioaktiven "Leitnuklide" Cäsium 137 und Tritium untersucht. Die Laugen waren in den südlichen Teil der Asse zugeflossen und vom Helmholtz-Zentrum München zwischen 2005 und 2008 in verschiedene Bergwerke gepumpt worden. Ein Teil wurde in einem Betonwerk zu Salzbeton verarbeitet. Auch in diesem Fall seien die zulässigen Freigabewerte weit unterschritten worden, betonte Birkner.

Der Transport der Salzlaugen in stillgelegte Bergwerke sei damit zulässig, sagte Birkner. Nach Bekanntwerden der Laugentransporte hatte die Landesregierung diese zunächst gestoppt. Gleichzeitig rügte der Staatssekretär, dass das Helmholtz-Zentrum mehr Lauge abgegeben habe als im genannten Zeitraum zugeflossen sei. Die Differenz betrage 6853 Kubikmeter. Das Ministerium habe den Betreiber aufgefordert, die Mengendifferenz unverzüglich zu erklären.

Der Vorgang zeige, wie unzulänglich die Informationspolitik des bisherigen Betreibers sei, sagte Birkner. "So etwas darf künftig in keinem Fall mehr vorkommen." Grüne und Bürgerinitiativen haben den Verdacht, dass das Helmholtz-Zentrum die weniger belastete Lauge mit stärker kontaminierter Flüssigkeit vermischt hat, die in tiefere Bereiche des Atommülllagers fließt.

Zum 1. Januar soll das Bundesamt für Strahlenschutz die Regie im Bergwerk Asse vom bisherigen Betreiber übernehmen und die Schließung des Lagers nach dem Atomrecht vorbereiten. Ein förmlicher Beschluss des Bundeskabinetts zum Betreiberwechsel ist allerdings schon mehrfach verschoben worden.

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