Keine Zustimmung

Abstimmungsprobleme der Energieversorger vor Gipfeltreffen

Die großen Energieversorger glänzen in der derzeitigen Diskussion über die Erhöhung der Strompreise nicht gerade mit Einigkeit. Während E.ON verschiedenen Berichten zufolge eine Verschiebung der Erhöhungen erwägt, reagierten RWE und Vattenfall eher ablehnend. Und die EnBW scheint ohnehin außen vor.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Vor dem geplanten Energiegipfel bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist die Branche bei der Positionsbestimmung uneinheitlich. Offenbar als Reaktion auf die harsche Kritik von Spitzenpolitikern, Verbraucherschützern und Industriekunden hat der E.ON-Konzern ein Preismoratorium ins Gespräch gebracht, das bis Arbeitsbeginn des Energiemarkt-Regulierers gelten soll. Andere Versorger reagierten eher ablehnend auf den Vorschlag. Die Bundesregierung dementierte Medienberichte, wonach als Termin für das Treffen der 30. September feststeht.

Am Tisch der Kanzlerrunde werden nach bisherigem Stand auf jeden Fall die Vertreter der vier großen Energieversorger E.ON, RWE, Vattenfall Europe und EnBW Platz nehmen. RWE und Vattenfall Europe hatten in den vergangenen Wochen eine Anhebung der Strom- und Netzpreise zum Jahresbeginn angekündigt und dies vor allem mit hohen Rohstoffpreisen und den Kosten für die Einspeisung erneuerbarer Energien begündet. E.ON hatte bereits Ende 2003 seine Netzentgelte erhöht und bislang lediglich eine Erhöhung der Preise erwogen.

Die jüngste Offerte von E.ON-Chef Wulf Bernotat trägt dem Kritikpunkt Rechnung, die Versorger wollten vor Arbeitsbeginn des Regulierers "nochmal zulangen". Das "Handelsblatt" und die "Financial Times Deutschland" hatten darüber berichtet. Im Gegenzug soll danach bei der Bundesregierung eine Beschleunigung bei den Genehmigungsverfahren für neue Kraftwerke erreicht werden. Der Konzern selbst wollte sich auf Nachfrage nicht näher äußern.

Ohne direkt auf den E.ON-Vorschlag einzugehen, äußerte sich Vattenfall Europe in einer Mitteilung zur Debatte im Vorfeld des Energiegipfels. Das Unternehmen werde sich konstruktiv daran beteiligen. Bislang liege aber weder eine Einladung noch eine Agenda über Gesprächsinhalte und -ziele vor. Ähnlich zurückhaltend zeigte sich ein RWE-Sprecher. Das Unternehmen warte noch auf die Einladung zum Energiegipfel und werde dann dort erläutern, weshalb der Konzern eine Anhebung bei Stromtarifen und Netzpreisen für notwendig halte.

Ein EnBW-Sprecher sagte, der Konzern habe bisher Preiserhöhungen weder angekündigt noch beschlossen. Insofern werde das Unternehmen von dem E.ON-Vorschlag nicht berührt. Preisabsprachen seien im übrigen "durchweg unzulässig". Das Bundeskartellamt wollte sich nicht dazu äußern, ob es sich bei dem E.ON-Vorstoß um eine unzulässige Preisabsprache handelt.

Von Heinz Simon

Das könnte Sie auch interessieren
  • Smart Meter

    Stromspiegel entlarvt Energiefresser-Haushalte

    Der aktuelle Stromspiegel macht es Verbrauchern besonders leicht, den eigenen Stromverbrauch zu bewerten. Demnach liegt beispielsweise der durchschnittliche Verbrauch eines Dreipersonenhaushaltes in einer Wohnung bei 2.600 kWh Strom im Jahr. Sparsame Haushalte benötigen nur 1.700 kWh und sparen damit rund 260 Euro.

  • Vattenfall

    Vattenfall hebt Strompreise an

    Vattenfall erhöht die Preise bei seinem Grundversorger-Tarif. Diejenigen, die noch nie einen Stromvertrag gewechselt haben, beziehen automatisch einen solchen Tarif. Die Preiserhöhung müssen Kunden aber nicht einfach hinnehmen.

  • Hochspannungsmasten

    Vattenfall Europe will Energiegipfel-Debatte nicht vorgreifen

    "Wenn der Bundeskanzler uns zum Energiegipfel einlädt, werden wir dieser Einladung folgen", erklärte Vattenfall Europe heute. Bislang liege dazu weder eine Einladung noch eine Agenda über Gesprächsinhalte und -ziele vor. Vorher will der Konzern jedoch über ein Einfrieren der geplanten Strompreiserhöhungen nicht diskutieren.

  • Strom sparen

    Energiebranche will Preiserhöhungen offenbar verschieben

    Vielleicht lassen die Energiekonzerne doch noch mit sich reden: Einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge, prüft die Branche derzeit auf Vorschlag E.ONs eine Verschiebung der Strompreiserhöhungen. Details sollen dem Vernehmen nach bei einem Energiegipfel am 30. September besprochen werden.

  • Stromtarife

    Kein Energiegipfel in Sicht / EnWG bald im Vermittlungsausschuss

    Ein Energiegipfel wird wohl in den nächsten Tagen erstmal nicht stattfinden und auch die Einigung über das neue EnWG lässt weiter auf sich warten. Das sind - grob zusammengefasst - die neusten Entwicklungen in der Strompreisdebatte, die seit einigen Tagen Deutschland beschäftigt.

Top